Haus Konstruktiv

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weitere Ausstellungen

Jakob Bill - Eine Retrospektive

Dez 13, 2012 bis Feb 17, 2013

tn Anlässlich seines 70sten Geburtstags widmet das Zürcher Museum Haus Konstruktiv dem Künstler Jakob Bill auf drei Stockwerken eine umfangreiche Retrospektive. Gezeigt werden ausser zentralen Werken von Jakob Bill ab den späten 1950er Jahre auch eine bis heute und erstmalige Umsetzung einer Raumskulptur, die er vorher nie realisierte.

Jakob Bill's Künstlerkarriere weisst gewisse Ähnlichkeiten zu der seines Vaters Max Bill auf: So hat auch Jakob Bill nicht den klassischen Weg einer kunstakademischen Ausbildung eingeschlagen. Und auch er hat einen wissenschaftlich-theoretischen Zugang zur Kunst gesucht, wenn auch über einen anderen Pfad.

Jakob Bill studierte an der Universität Zürich im Hauptfach Ur- und Frühgeschichte und in den Nebenfächern klassische Archäologie und Kunstgeschichte; der Titel seiner 1971 eingereichten Doktorarbeit lautete "Die Glockenbecherkultur und die frühe Bronzezeit im französischen Rhonebecken und ihre Beziehungen zur Südwestschweiz". Bis vor wenigen Jahren arbeitete er erfolgreich als Archäologe. Doch bereits 1957, mit 15 Jahren, stellte er das erste Mal als Künstler aus: im damaligen Club Bel Etage in Zürich. Seine erste Einzelausstellung realisierte Jakob Bill 1965 in der damals gerade von Hans Mayer eröffneten (op)art Galerie in Esslingen. Es folgten zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen u.a. in der Schweiz, Holland, Frankreich, Deutschland, Italien, Schweden oder auch in den USA und Kanada. Seit 1969 arbeitet er eng mit der mittlerweile legendären Galerie Denise Rene in Paris zusammen, und auch, nachdem Frau Rene vor kurzer Zeit fast 100jährig verstorben. Jakob Bill lebte also lange Zeit das Leben eines Surfers zwischen zwei WeIten, die er aber produktiv voneinander zu trennen verstand.

Jakob Bill ist, verglichen mit seinem Vater Max Bill, der "bestimmtere" Maler; bewusst klammerte er bereits in jungen Jahren das plastische Arbeiten aus und konzentrierte sich ganz und gar auf das Medium Malerei. Auf der Basis eines geometrischen Formenkanons, aber entgegen der klassischkonkreten Malweise, die auf Schattierungen verzichtet, hat Jakob Bill bereits in den 1960er Jahren äusserst feinsinnige Farbverläufe entwickelt. Farbverläufe, die der Strenge seines Bildaufbaus eine poetische, transparente Dimension verleihen.

So ist es auch eine ganz besondere lichte Transparenz in den Bildern von Jakob Bill. Ihnen wohnt ein Bewegungsmoment inne, das sich vor allem den präzise ausgearbeiteten chromatischen Übergängen verdankt: es sind vibrierende Farbräume, die unterschiedliche dynamische Effekte erzeugen. Aus der Verbindung zwischen den sanft modulierten Grundflächen und den - in den letzten Jahren zunehmend kraftvoll gesetzten - Formationen von Bänderstrukturen gewinnen die Bilder nicht nur eine starke räumliche Wirkung, sondern auch eine kinetische Qualität. Es entstehen optische Täuschungen zwischen Vorder- und Hintergrund, zwischen scheinbar vibrierenden und scharfen Grenzen. Der Ornamentcharakter in den Arbeiten von Jakob Bill schafft einen starken pars pro toto Effekt: seine Bilder erscheinen wie Ausschnitte aus einem grösseren sowohl räumlichen wie auch malerischen Gefüge, selbstbewusst und klar, irisierend und leicht.


Jakob Bill - Eine Retrospektive
13. Dezember 2012 bis 17. Februar 2013

1960, No. 3. Öl auf Pavatex; (c) 2011, ProLitteris, Zürich
1998, No. 8. Öl auf Leinwand; (c) 2011, ProLitteris, Zürich
2009, No. 7. Öl auf Leinwand; (c) 2011, ProLitteris, Zürich
2011, No. 21. Öl und Acryl auf Leinwand; (c) 2011, ProLitteris, Zürich