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Fragen ohne Antwort

Okt 19, 2012 bis Nov 24, 2012

tn Wäre der ob der inflationären Verwendung in Verruf geratene Begriff des Multitalents nicht so schal, man müsste ihn für Oswald Oberhuber rehabilitieren. Maler, Grafiker, Bildhauer, Schriftsteller, Designer, Bühnenbildner, Museologe, Sammler, Ausstellungs-Organisator, Lehrer und manch andere Berufe hat er schon ausgeübt. Wer sich in diesem weiten Bogen an Betätigungsfeldern mit der Intensität und Lust - wie es Oswald Oberhuber eigen ist -bewegt, dem gebührt die Auszeichnung Ausnahmeerscheinung.

Anlässlich der Ausstellung in der Galerie.Z in Hard bieten sich ausreichend Gelegenheiten in das facettenreiche Universum des gebürtigen Südtirolers einzutauchen. "Fragen ohne Antwort", so der Titel der Schau, widmet sich im Wesentlichen dem Zeichner Oberhuber. Dass der langjährige Rektor der Hochschule für angewandte Kunst in Wien und zweimalige "documenta" Teilnehmer sich von keiner Stilrichtung im herkömmlichen Sinn vereinnahmen lässt, gilt als zuverlässige Konstante in dem sonst voll Überraschungen steckendem Gesamtwerk.

Schon 1956 proklamierte er die "Theorie der permanenten Veränderung", die er zu seinem Leitsatz erhob. Essenz dieses Postulats war die kompromisslose Ablehnung jeglicher Stilbildung und Klassifikation in der Kunst. Indem er das Ende aller Stilrichtungen ausrief, verschrieb er sich folglich der Freiheit und Souveränität des Künstlers. Nicht zuletzt wegen seiner radikalen Modernität, die sich in der Überwindung von Grenzen zwischen den Medien und deren Auflösung manifestiert, nimmt Oberhuber eine ganz wesentliche Position innerhalb der österreichischen Kunst seit 1950 ein.

Starre Kunstauffassungen lehnt er ebenso ab wie kleinbürgerliches Gehabe und romantisierenden Geniekult, womit er Irritationen auslöst. Denn mit seinem subversiven "Kunst ohne Künstler" überbot er sogar Joseph Beuys, der mit der Ansage "Jeder ist ein Künstler", überbot. Dabei gehört er doch vielmehr zu der raren Spezies, die sich ernsthaft und leidenschaftlich mit sehr Vielem beschäftigt und sich mit den neuen Strömungen der Weltkunst einlässt.

So experimentiert er mit Materialien ebenso wie mit Sprechweisen, die er symbiotisch mit Bildinhalten verschmelzt. Am Anfang seiner Künstlerlaufbahn arbeitete er an der informellen Plastik, an Relief- und Schrifttafeln, auf denen sich Zeichen und Formen durchdringen. Das Überziehen von Gemälden mit Tropf- und Schüttspuren sowie mit automatisierter Linienführung ergänzten diese Phase. Schaben, kratzen, collagieren, schreiben sind zentrale Handlungen in seinem vielschichtigen Schaffen.

In der Weise, wie er sich gegen Stagnation und Erstarren in Stilen verwehrt, tritt er ebenso vehement für eine Pluralität der Formensprachen ein. In seinem komplexen OEuvre, das von seiner unbändigen Lebens- und Schaffensenergie durchpulst ist, kommt der Sparte der Zeichnung ein elementarer Stellenwert zu. Die Linie hat ihn fortwährend in all ihren Ausformungen begleitet: Zarte Linienwesen, filigran-dekorative Verdichtungen, ein kraftvoller Duktus bei den geometrisierenden Körpern, fließende Konfigurationen sowie rhythmisch angeordnete Elemente bestimmen die Werke, die unter "Fragen ohne Antwort " zusammen gefasst sind.

Figuratives, wie etwa die ineinander verschlungenen Menschengruppen, transparent flüchtige Gestalten und die seriellen Profilansichten in zarter Linienführung stehen exemplarisch für Oberhubers klassische Seite. Verspielte und wegen der lapidaren Zeichensprache an Beispiele aus der Pop-Art erinnernde Beiträge sind ebenso dabei wie Bilder, auf denen Oberhuber mathematische Formeln, Chiffren, Zeichen und Berechnungen mit banalen Gegenständen kombiniert und zu einem stimmigen Gesamtwerk gestaltet. Hohe ästhetische Qualität gepaart mit spielerischer Leichtigkeit zeichnen seine Schöpfungen, die sich jeder konventionellen Klassifizierung entziehen, aus. Mit großer Souveränität wirft er standardisierte Kunstauffassungen und Kollektivgeschmackliches über Bord, ohne seine optimistische und motivierende Grundhaltung zu reduzieren.

Überraschend in der Auswahl der Themen, der Techniken, der Fülle und der "Stile", so wirkt das oberhubersche OEuvre, mit dem er seinen gesamtkunstwerklichen Grundanspruch unmissverständlich kommuniziert. Es ist nicht auszuschließen, dass Oberhuber sich gerne auch selbst von seiner Lust und Intuition überraschen lässt und daraus wieder Energie gewinnt für die kreative Transformation. Mit seiner Offenheit und Wandlungsfähigkeit zählt er ohne Zweifel zu den charismatischsten Persönlichkeiten der österreichischen Kunstwelt.


Fragen ohne Antwort
19. Oktober bis 24. November 2012

(c) Oswald Oberhuber
(c) Oswald Oberhuber
(c) Oswald Oberhuber
(c) Oswald Oberhuber
(c) Oswald Oberhuber
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