Kunstraum Kreuzlingen

Bodanstrasse 7a
CH - 8280 Kreuzlingen

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weitere Ausstellungen

Ausstellungs-Double im Kunstraum Kreuzlingen

Nov 10, 2012 bis Jan 27, 2013

tn Zwischen Wirklichkeit und Fiktion changierend, präsentiert der junge Zürcher Künstler Patrick Kull im Kunstraum Kreuzlingen ein aussergewöhnliches Kunstprojekt. Gezeigt werden seine Werke, die in einer künstlerischen Auseinandersetzung mit der historischen Person Max Daetwyler entstanden sind. Daetwyler, bekannt als "Friedensapostel" oder "Schweizer-Gandhi", verweigerte als erster Schweizer 1914 den Fahneneid.

Daraufhin als verrückt erklärt, wurde er bis heute nicht rehabilitiert. Dies hielt den gebürtigen Thurgauer jedoch nicht davon ab, Zeit seines Lebens unermüdlich für den Frieden zu kämpfen. Die im experimentellen Ausstellungsprojekt "Max Daetwyler (1886–1976) – Was wa(h)r" von Patrick Kull gezeigten Werke bieten Anlass, sich mit der fast in Vergessenheit geratenen, wichtigen Schweizer Persönlichkeit auf ungewöhnliche Art und Weise neu zu befassen. Anhand des Nebeneinanders von historischen Dokumenten und Kunstobjekten wird ein unkonventioneller Zugang zur Person Max Daetwyler ermöglicht.

Patrick Kull lebt in Zürich. Nach der Handelsmatura und einer kaufmännischen Ausbildung begann er 2008 an der Zürcher Hochschule der Künste sein Studium im Fachbereich Mediale Künste. Bereits im Vorfeld seines Studiums experimentierte er mit den Medien Fotografie und Film. Im Sommer 2011 wurde seine Bachelorausstellung mit dem Förderpreis der ZHdK ausgezeichnet. Für sein weiterführendes Masterstudium erhielt er zur Unterstützung 2012 ein Hirschmann Stipendium der Hirschmann Stiftung.

Publikation: Zum Projekt erscheint eine Publikation mit Beiträgen von Nils Röller, Stephan Bosch und Ute Christiane Hoefert, Hrsg. Richard Tisserand, Kunstraum Kreuzlingen & Tiefparterre, 128 Seiten.


Gleichzeitig im Tiefparterre: Rudy Decelière

Die Installationen von Rudy Decelière verführen den Betrachtenden zu neuen Erfahrungen durch Ton-Erlebnisse aus der Welt der Natur. "Man müsse nur hinhören, jedes Ding, jedes Blatt, jedes Gras mache ein Geräusch, erzeuge einen Ton. La vie sonore oder die Klangwelt sei eine dauernd sich erneuernde Komposition." In diesem Kosmos sieht sich der in Genf geborene Künstler als Facteur, als Ingenieur-Compositeur. Für seine Arbeiten verbindet er Geräusche aus der Pflanzenwelt mit mechanischen aus dem Alltag. Die Summe der einzelnen Teile erzeugt eine Harmonie, auf die wiederum alle Elemente Einfluss üben, jedes Blatt, das sich im Wind wiegt, jeder Gegenstand, der sich im Raum befindet, selbst der Betrachtende verändert durch seine Anwesenheit den Ton und wird so zum Teil seiner Werke.

Jüngst zeigte Rudy Decelière in der Abteikirche Bellelay im Jura seine Installation mit dem Titel "Allotopies I, II & III", für die er mehr als tausend Pflanzenblätter der einjährigen Lunaria, auch bekannt als Silberblatt, je einzeln an einem langen Kupferdraht von der Decke herunter in das Kirchenschiff hängte. Mit Strom in Schwingung versetzt, erzeugten sie einen leisen, arteigenen und zarten Ton. Zusätzlich ertönte alle zwanzig Minuten ein gewaltiger Akkord aus der Orgel und liess die tausend mit Silberblättern bestückten Kupferdrähte erzittern. Die Vibrationen hallten voluminös durch das Kirchenschiff und verklangen wieder bis zum nächsten Orgelanschlag. Das Zusammenspiel von Raum und Klang machte es für die Besuchenden zu einem äusserst sinnlichen Erlebnis: optisch durch den mit filigranen, mit Pflanzen bestückten Drähten geprägten Raum, akustisch durch die Klänge der Orgel und summenden Töne der Drähte und mittels der Schwingungen wurde die Installation auch physisch erfahrbar.

Ab 10. November zeigt Rudy Decelière seine Arbeit "Insulaires" im Tiefparterre des Kunstraums Kreuzlingen, die, ähnlich wie "Allotopies I, II & III", die Sinne anregt. In "Insulaires" verwendet der Künstler getrocknete Herbstblätter, mit denen er die Tonspuren einer Vinylplatte akustisch zu übertragen versucht. Das seltsame Bild, ein altes Grammophon, tourne-disque, mit einem Herbstblatt als Abspielnadel, ist ein Hinweis auf die Vergänglichkeit, der Herbst ist da, das Jahr neigt sich dem Ende zu. Aber wird das Herbstblatt überhaupt einen Ton abnehmen können oder wird es seinen eigenen wiedergeben wollen? Das werden die sinnlichen Fragen des Künstlers an den Besucher, die Besucherin sein.


Rudy Decelière
10. November 2012 bis 27. Januar 2013

Patrick Kull: Max Daetwyler (1886–1976) – Was wa(h)r
10. November 2012 bis 27. Januar 2013

Max Daetwyler als Soldat in der Reithalle der Stadtkaserne Frauenfeld, 1914. © Kull-Institut, Zürich
Max Daetwyler 1917 zu Besuch bei Lenin im Kreml. © Kull-Institut, Zürich
Max Daetwyler mit weisser Fahne Frauenfeld, 1914. © Kull-Institut, Zürich
Rudy Decelière: Model Projekt 'Insulaires', 2012