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Göhner wohnen

Mai 11, 2012 bis Mai 24, 2012

tn Die Göhner-Siedlungen gehören zu den wichtigsten Zeugen der Siedlungsentwicklung während der Hochkonjunktur der 1960er und 1970er Jahre. Während viele Stadtplaner und Architekten lediglich in grossen Massstäben dachten, schuf die Ernst Göhner AG im Elementbau ganze Ortsteile und Dörfer. Insgesamt entstanden zwischen 1965 und 1980 in den Agglomerationen Zürich und Genf rund 9‘000 Wohnungen nach demselben Vorfertigungsprinzip.

Obwohl sie den damaligen Vorstellungen von Raumplanung zuwiderliefen, entsprachen die Göhner-Siedlungen vor den Toren der Stadt dem allgemeinen Wunsch nach einer raschen Beseitigung der akuten Wohnungsnot. Anders als in vielen Ländern entstanden die Plattenbauten der Ernst Göhner AG nicht für den sozialen Wohnungsbau, sondern sprachen ausdrücklich eine junge Mittelschicht an.

Der gesellschaftliche Wertewandel und die Ölkrise von 1973 beendeten die Wachstumseuphorie und veränderten den Blick auf die Grosssiedlungen radikal. Die Siedlungen der Ernst Göhner AG gerieten unter dem Titel "Göhnerswil" ins Kreuzfeuer der Kritik und standen stellvertretend für den kapitalistischen Wohnungsbau, die Umweltzerstörung und die infrage gestellten Geschlechterrollen. Obwohl die Aussensicht auf die Göhner-Siedlungen noch heute von dieser radikalen Ablehnung der grossen Form geprägt ist, fühlen sich viele Bewohnerinnen und Bewohner seit Jahrzehnten in ihren Wohnungen wohl.

Erstmals befassen sich eine Ausstellung und eine Publikation mit den eindrücklichen Plattenbausiedlungen der Ernst Göhner AG. Ausgehend von der Architektur, bietet die Ausstellung einen differenzierten Zugang zum Phänomen der Göhner-Siedlungen, der auch den geschichtlichen und gesellschaftlichen Kontext der Entstehungsjahre einschliesst. Anschauliches Material liefert Informationen zum integralen System der Ernst Göhner AG von der Baulandsuche über den Städtebau mit vorgefertigten Normelementen bis hin zur Vermarktung der einzelnen Wohnungen. Ebenso bietet die Ausstellung einen Überblick über die verschiedenen Göhner-Siedlungen.

Die als Wanderausstellung konzipierte Schau bestreitet ihre erste Etappe vor der idealen Kulisse einer Wohnung der Siedlung Webermühle in Neuenhof (AG), die während zweier Wochen für Besucher zugänglich ist. Mit ihrem Ausstellungs- und Buchprojekt nehmen die beiden Architekturhistoriker und Ausstellungsmacher Fabian Furter und Patrick Schoeck ein Thema auf, mit dem bislang keine Auseinandersetzung stattgefunden hat. Die Publikation erscheint im Frühjahr 2013 im Verlag hier+jetzt.


Göhner wohnen
Die Plattenbausiedlungen der Ernst Göhner AG
zwischen Hochkonjunktur und Ölkrise
11. bis 24. Mai 2012

Esszimmer in einer Göhner-Wohnung. Aus einem Werbeprospekt der Ernst Göhner AG (Quelle: Archiv Implenia Bau AG)
Spielplatz in Göhner-Siedlung um 1970 (Quelle: Archiv Implenia Bau AG)
Spielplatz mit Lozzi-Wurm in der Göhner-Siedlung Adlikon Sonnhalde um 1970 (Quelle: Archiv Implenia Bau AG)