Paula Modersohn-Becker Museum

Böttcherstraße 6-10
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weitere Ausstellungen

Bewegte Bronze

Mär 11, 2012 bis Jun 3, 2012

tn Bernhard Hoetgers bildhauerisches Werk ist auf vielfältige Weise von Tanz und Tänzerinnen inspiriert. Die Ausstellung "Bewegte Bronze" nähert sich dem Künstler anhand seiner Darstellungen von Tänzerinnen aus den Jahren 1901 bis 1922. Exemplarisch wird daran das facettenreiche OEuvre Hoetgers gezeigt. Ergänzt durch diverse Leihgaben, wie Druckgrafiken – u. a. von Henri de Toulouse-Lautrec –, Plastiken und Archivfotografien bildet die Schau den Auftakt zu einer dauerhaften Präsentation Bernhard Hoetgers im Paula Modersohn-Becker Museum.

Wie viele bildende Künstler der Jahrhundertwende war Bernhard Hoetger (1874 – 1949) fasziniert von der rasanten Entwicklung des modernen Tanzes und daran interessiert, tänzerische Bewegungsabläufe und Posen mit bildhauerischen Mitteln festzuhalten. Eine frühe, in ihrer Bewegtheit sehr beeindruckende Bronzefigur Hoetgers zeigt die Tänzerin Loïe Fuller, die mit ihrer Verbindung von wirbelndem Tanz, Musik und Lichteffekten die Sensation auf den Pariser Bühnen war. "Je sculpte de la lumière", "Ich forme das Licht" – so beschrieb Loïe Fuller ihre berühmten Serpentinentänze und unterstrich damit die Nähe des Tanzes zur Bildhauerei.

Bernhard Hoetger konzentrierte sich in seiner Plastik Loïe Fuller ganz auf die Dynamik ihres Kleides, das wie ein stürmisches Meer um die Tänzerin tobt. Für diese Figur sowie für "Der Sturm" (La Tempête) verwendete Hoetger Formen des Jugendstils und der impressionistischen Bildhauerei Rodins. Eine gänzlich andere künstlerische Form wählte Hoetger über zwei Jahrzehnte später für eine Darstellung Sent M’Ahesas, eine aus dem Baltikum stammende Tänzerin, die in aufwendigen Kostümen altägyptische Tänze auf die Bühne brachte. Zeitgenossen beschrieben ihre Tänze als "Szenenpantomime", bei welcher der Körper zu einem "strömende Bilde" werde.

An Sent M’Ahesa mag Bernhard Hoetger die Schöpfung eines völlig neuen Stils durch den Rückgriff auf Archaisches fasziniert haben. Für die Plastiken Sent M’Ahesa und Sent M’Ahesa in Ganzfigur entwickelte er eine ägyptisierende Formensprache und entschloss sich – wie Sent M’Ahesa in ihren Tänzen – den Ausdruck, den expressiven Moment zu betonen. Beide Werke gelten als Meilensteine expressionistischer Bildhauerei.

Bernhard Hoetger hinterließ als Architekt, Bildhauer, Grafiker, Kunsthandwerker und Maler ein umfangreiches Werk, von dem sich ein Großteil im Paula Modersohn-Becker Museum befindet. Der Bestand reicht von frühen Arbeiten, die noch stark im Zeichen des Impressionismus stehen, über archaische und monumentale Werke, in denen Hoetgers Rückgriffe auf mittelalterliche, asiatische oder ägyptische Vorbilder sichtbar werden, über expressionistische Werke bis hin zu Arbeiten aus den 1930er und 1940er Jahren.

Im Auftrag des Kaffee-HAG-Kaufmanns Ludwig Roselius schuf Bernhard Hoetger mit dem Paula Modersohn-Becker Museum außerdem ein außerordentliches Beispiel expressionistischer Architektur und das erste Museum für eine Malerin weltweit Die Ausstellung "Bewegte Bronze – Tanzplastiken" von Bernhard Hoetger führt dem Besucher die Stilvielfalt im Werk des Künstlers vor Augen und setzt den Auftakt für eine permanente Präsentation von Hoetger-Werken im Paula Modersohn-Becker Museum.


Bewegte Bronze
Tanzplastiken von Bernhard Hoetger
11. März bis 3. Juni 2012

Bernhard Hoetger: Loïe Fuller, um 1901. Kunstsammlungen Böttcherstraße Bremen; Foto: freiraumfotografie, Bremen. © VG Bild-Kunst, Bonn 2012.
Bernhard Hoetger: Die Bacchantin, 1901. Kunstsammlungen Böttcherstraße, Bremen; Foto: freiraumfotografie, Bremen. © VG Bild-Kunst, Bonn 2012
Bernhard Hoetger: Der Sturm (La Tempête), um 1901. Kunstsammlungen Böttcherstraße, Bremen; Foto: freiraumfotografie, Bremen. © VG Bild-Kunst, Bonn 2012; Foto: freiraum
Atelier Madame d'Ora: Sent M'Ahesa in Tanzpose, 1923. Österreichische Nationalbibliothek, Wien
Rudolf Stickelmann: Spiel und Gegenspiel, um 1932. Privatbesitz, Bremen