Keine Zeit

Sep 20, 2012 bis Jan 6, 2013

tn Das Leben heute bedeutet vor allem eines: Mit der zunehmenden Fülle an Lebensmodellen umzugehen. Es gilt, flexibel, mobil, kreativ, innovativ, autonom und eigenverantwortlich zu sein und zu handeln. Allgemeine Arbeitsbedingungen haben sich zum Positiven gewandelt, und noch nie waren die Möglichkeiten und Chancen so vielfältig und zahlreich wie heute. Dennoch, was auf der einen Seite neue Freiheiten bringt, bedeutet auf der anderen Seite Selbstverausgabung in allen Lebensbereichen, was allzu oft zu Überforderung, Depression und Burn-out führt.

Wir definieren uns über Arbeit, dient sie doch der Selbstverwirklichung und der Positionierung in der Gesellschaft. Arbeit kann und soll die Individualität stärken, zur persönlichen Entfaltung beitragen, bereichernd und genussvoll sein. Besonderes Augenmerk lag dementsprechend in den letzten Jahren auf der kreativen Arbeit, verspricht diese doch einen Lustgewinn und Weiterentwicklung. Sie basiert auf Flexibilität und Selbstkontrolle, und "Nicht-Arbeit" ist keineswegs mit "Nichts-Tun" gleichzusetzen. Das klassische Bild von Arbeit wird durch das kreative Bild von Arbeit ersetzt, dies löst aber nicht nur allgemeines Wohlbefinden, sondern erstaunlicherweise auch viele Probleme aus. Betroffen sind vor allem jene, die zwischen Arbeit und Freizeit keinen Unterschied machen können oder dürfen. Jene, von denen die totale Identifizierung verlangt wird. Dieses Gegenüber von Angst und Sicherheit stellt uns gerade in Zeiten großer Ungewissheit vor zahlreiche persönliche Herausforderungen. Die Ausstellung "Keine Zeit. Erschöpftes Selbst/ Entgrenztes Können" diskutiert diese Tendenzen aus einer künstlerischen Position heraus.

War Kunst einst das utopische Gegenmodell zur leistungsorientierten und fremdbestimmten Erwerbsarbeit, entwickelt sie sich heute vor unseren Augen zum Modell der mobilen und autonomen Ich-AG. Künstler sind zu "role models" einer veränderten Arbeitssituation geworden, in der unbegrenzte Kreativität, smarte Selbstvermarktung, selbstmotivierte Produktivität, leidenschaftliches Engagement und innovative Lebens- und Arbeitsweisen stetig an Bedeutung gewinnen. So stehen Künstler im Fokus einer sich ausweitenden gesellschaftlichen Debatte. Die Ausstellung "Keine Zeit. Erschöpftes Selbst/ Entgrenztes Können" bündelt diese wichtigen, über das Kunstfeld hinausgehenden Fragestellungen. Die teilnehmenden Künstler machen ihre eigene Rolle zum Inhalt ihrer Arbeiten. Sie betrachten und analysieren das Thema der Arbeit allgemein, sprechen von Lust bis Überforderung, sehen die Langeweile als Ausweg oder erproben unterschiedlichste Formen der Verweigerung.

KünstlerInnen: Thomas Baumann, James Benning, Cosima von Bonin, Josef Dabernig, Verena Dengler, Simon Dybbroe Møller, Manfred Erjautz, Claire Fontaine, Rodney Graham , Hans Hollein, Siggi Hofer, Judith Hopf, Lone Haugaard Madsen, Michel Majerus, Christoph Meier, John Miller, Ute Müller, Olaf Nicolai, Laura von Niederhäusern, Stefan Panhans, Josephine Pryde, Werner Reiterer, Kirstine Roepstorff, Santiago Sierra, Nicole Six & Paul Petritsch, Josef Strau, Adrian Williams


Keine Zeit
Erschöpftes Selbst / Entgrenztes Können
20. September 2012 bis 6. Jänner 2013

21er Haus
Arsenalstraße 1
A-1030 Wien

Öffnungszeiten:
Mittwoch 10.00 – 21.00 Uhr
Do bis So 10.00 – 18.00 Uhr

Judith Hopf: Erschöpfte Vase 4, 2009. Keramik, Lack, 27 x 20 x 20 cm (ohne Sockel); Foto © Michael Goldgruber. Courtesy Galerie Andreas Huber, Wien
Cosima von Bonin: The Bonin / Oswald Empire's Nothing # 04 (CVB's Purple Kikoy Sloth Rabbit On Pink Table & MVO's Kikoy Song), 2010. Material und Maße variabel; © Kunsthaus Bregenz. © Courtesy die Künstlerin, Galerie Buchholz, Köln/ Berlin, und Fried
Hans Hollein: Mobiles Büro, 1969; © Courtesy Generali Foundation Vienna. Fotograf: Gino Molin-Pradel