Von Renoir bis Picasso - Künstler der École de Paris

Dez 5, 2011 bis Mär 4, 2012

tn Die Gemälde der Künstler der École de Paris gehören heute zu den weltweit am meisten bewunderten Kunstwerken in öffentlichen und privaten Sammlungen. Unzählige Reproduktionen haben viele dieser Bilder und deren Formensprache so fest in unserem Gedächtnis verankert, dass diese als wichtiger Teil des kulturellen Erbes von vielen geschätzt und geachtet werden.

In den Jahrzehnten vor und nach 1900 war Paris die Welthauptstadt der Kunst. Bildende Künstler aus zahlreichen Ländern versammelten sich hier und entwickelten, zusammen mit den französischen Malern, vom Impressionismus bis zur abstrakten Malerei, die wesentlichen künstlerischen Richtungen der Moderne. Waren es zu Beginn noch vor allem die französischen Maler, die sich von der in den großen Pariser Salons gefeierten akademischen Malweise lösten, so kamen später immer mehr Künstler aus anderen Ländern hinzu und brachten ihr Können und ihre Wurzeln ein. Die erste Ausstellung der Impressionisten fand 1874 im Atelier des Pariser Fotografen Nadar am Boulevard des Capucines statt. Im Unterschied zu anderen Schulen beschreibt die École de Paris weder eine einheitliche Stilrichtung noch eine programmatisch miteinander verbundene Künstlergemeinde. Man bezeichnet damit die Gesamtheit der zu dieser Zeit in Paris arbeitenden Künstler.

In diesem Schmelztiegel der Nationen revolutionierte man mit hellen, leuchtenden Farben und kurzen Pinselstrichen die Kunst und schockierte oftmals das Publikum. Mensch und Landschaft galten nicht mehr als gottgegebenes Maß aller Dinge und an die Stelle der austemperierten Komposition trat das vom Künstler gewählte Motiv. Die Maler suchten nach den Ursachen des Sehens, nach einer neuen Form des Sehens im Licht, in dem sich alles aus Teilen fügt und die persönliche Erregung des Künstlers die Form bestimmt. Man entdeckte die Bewegung, versuchte den Schwingungen Raum zu geben, überwand feste Geometrien und lineares Denken – und machte sich die Erkenntnisse der Naturwissenschaften zu eigen. Wenig später zerlegte man die Dinge in einzelne Farbpunkte, erfand nahezu abstrakte, vibrierende Flächen bei denen sich die Farben erst in einiger Entfernung im Auge des Betrachters mischen und zum Bild fügen. Auf diese Weise forderte man den Betrachter und zwang ihn zu einem aktiveren Sehen.

Viele der Künstler gehören heute zu den Heroen der klassischen Moderne, andere, auch einst einflussreiche, wurden vergessen – und doch waren es alle gemeinsam, die an der bis heute faszinierendsten Epoche der neueren Kunstgeschichte beteiligt waren. Das Musée du Petit Palais in Genf beherbergt mit seinen umfangreichen Beständen an französischer Malerei, Skulptur und grafischen Werken eine der bedeutendsten europäischen Kunstsammlungen. Den Schwerpunkt der Sammlung bildet die französische Malerei der Zeit von 1870 bis 1930, Werke der Impressionisten, Post- und Neo-Impressionisten, der Nabis, Fauves, Kubisten und von Vertretern der École de Paris. Neben Gemälden von so berühmten Künstlern wie Marc Chagall, Pablo Picasso, Auguste Renoir und Maurice Utrillo enthält die Sammlung aber auch Werkkomplexe von Auguste Chabaud, Kees van Dongen, Moïse Kisling, Théophile Alexandre Steinlen, Suzanne Valadon, Louis Valtat und anderen Künstlern aus deren Umfeld. Einige dieser Künstler sind auf Grund der fehlenden Präsenz in deutschen Sammlungen hierzulande wenig bekannt, international genießen sie hingegen hohe Wertschätzung.

Die Sammlung des Musée du Petit Palais ermöglicht wie kaum eine andere europäische Sammlung einen umfassenden Überblick über Vielfalt und Reichtum des künstlerischen Schaffens in Paris vom Impressionismus bis zur École de Paris. Die für diese Ausstellung getroffene Auswahl versucht die legendären Jahre der Künstlerbezirke Montmartre und Montparnasse abzubilden. Dabei standen nicht allein die künstlerischen Strategien und die Verschiedenartigkeit der bildnerischen Mittel im Vordergrund, sondern auch die Künstler selbst, deren Herkunft und Zugehörigkeit zu bestimmten Gruppierungen in die Überlegung einbezogen wurden. Die Ausstellung möchte das vielstimmige Leben dieser Jahre darstellen und dabei auch die Künstler und deren Schicksale einbeziehen. Für die Ausstellung stellt das Musée du Petit Palais 96 Werke zur Verfügung und kooperiert damit bereits zum zweiten Mal in vorteilhafter Weise mit der Kunstsammlung Jena. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit Abbildungen aller ausgestellten Werke.


Von Renoir bis Picasso - Künstler der École de Paris
Werke aus der Sammlung des Petit Palais, Genf
5. Dezember 2011 bis 4. März 2012

Städtische Museen Jena, Kunstsammlung
Markt 7, D-07743 Jena
T 0049 (0)3641 4982-60
F 0049 (0)3641 4982-55

Öffnungszeiten:
Di, Mi, Fr 10 - 17 Uhr
Donnerstag 14 - 22 Uhr
Sa und So 11-18 Uhr

Moïse-Kisling: Siesta in Saint Tropez - Kisling mit Renée, 1916. Öl auf Leinwand
Maurice de Vlaminck: Bahnübergang am 14. Juli, 1925. Öl auf Leinwand
Jules Pascin: Das blaue Hemdchen, 1929. Öl auf Karton
Alphonse Leon Quizet: Le Maquis, Montmartre, 1910. Öl auf Leinwand