Galerie im Taxispalais

Maria-Theresien-Strasse 45
A - 6020 Innsbruck

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weitere Ausstellungen

Martin Creed im Innsbrucker Taxispalais

Sep 10, 2016 bis Nov 20, 2016

tn Die Galerie im Taxispalais präsentiert die erste österreichische Einzelausstellung von Martin Creed (*1968 in Wakefield, lebt und arbeitet in London), der zu den wichtigsten britischen Künstlern seiner Generation zählt. Die Ausstellung zeigt einen Überblick über Creeds breit gefächertes Werk, das Skulpturen und Installationen, Fotografien, Videos, Neonschriftzüge, Zeichnungen und Malerei ebenso wie Soundarbeiten umfasst.

Seine Werke, für die er unter anderem Alltagsgegenstände wie Glühbirnen, Küchenrollen, Kakteen oder Tische verwendet, sind spielerisch und formal reduziert zugleich. Er entwickelt seine Arbeiten aus einer grundlegenden Reflexion künstlerischer Sprachen und Medien. Creed interpretiert Ansätze der Konzeptkunst wie auch der Minimal Art auf eine unkonventionelle Weise und legt ebenso großen Wert auf die sinnliche Wirkung von Formen, Farben, Größen oder Klängen und auf die Emotionen, die seine Werke auslösen, wie auf die dahinterstehenden Ideen. 2001 wurde Martin Creed mit dem renommierten Turner Prize ausgezeichnet.

So vielseitig Martin Creeds Werk ist, so sehr speist es sich aus bestimmten Grundprinzipien. Dazu zählt das Bestreben, Ordnungen, Regeln und Systeme zu reflektieren, zu untergraben und umzudeuten. Die Logik, nach der er Farben, Töne und verschiedene Gegenstände und Materialien beispielsweise zu gestapelten oder gereihten Sets zusammenstellt, alltägliche Dinge neu ordnet oder Räume durch minimalistische Interventionen wie etwa repetitive, rhythmisierende Wandmalereien umgestaltet, ist zugleich schlüssig und unerwartet. Ein weiteres Grundprinzip seines Schaffens ist das Bemühen um die Gleichberechtigung aller Dinge, indem er Regeln definiert, die einer Bevorzugung einzelner Elemente entgegenwirken. So ergibt sich beispielsweise der Umfang seiner seriellen Filzstift- oder Textmarker-Zeichnungen aus der Anzahl verfügbarer Farben einer bestimmten Stiftmarke.

In einer Reihe seiner neueren Arbeiten lotet Martin Creed das Verhältnis zwischen Kontrolle und Unkontrolliertheit aus. Angelegt ist dieses Interesse schon früh, etwa in der Arbeit "Work No. 200", "Half the air in a given space" (1998), die den Betrachter in ein genau bemessenes, dem halben Luftvolumen des Raums entsprechendes Meer von Ballons eintauchen lässt. Das berechnete Volumen wird als solches jedoch nie wirklich ersichtlich: Begibt man sich in den Raum, löst sich die konzeptionelle Ordnung in der Interaktion mit den großen, fast körperhaft wirkenden Ballons auf. Die Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Kontrolle und Chaos führt Creed unter anderem in großformatigen gestischen Malereien auf Fensterflächen fort. Auf dem Glasdach der Halle in der Galerie im Taxispalais wird eine solche Malerei erstmals auf einer horizontalen Fläche entstehen. Die Glasflächen nehmen das Eruptive der Malprozesse auf und versetzen den Blick in Bewegung, indem sie die Welt hinter der Malerei miteinbeziehen.

In der Wechselbeziehung zwischen Regel und Interpretation, Kontrolle und Befreiung spiegelt sich auch die symbolische Ordnung der gesellschaftlichen und kulturellen Wirklichkeit. Creeds Interventionen hinterfragen auf ebenso subtile wie humorvolle Weise die Ordnungen, denen wir uns oft unterwerfen, ohne es überhaupt zu bemerken.


Katalog: "Martin Creed." Mit Texten (dt./engl.) von Anouchka Grose, Matthia Löbke und Jürgen Tabor, Snoeck Verlag, Köln 2016

Martin Creed
10. September bis 20. November 2016

Work No. 1094, 2011. Fotografie, 163,5 x 298,5 cm; Courtesy Martin Creed und Hauser & Wirth
Work No. 1095, 2011. Fotografie, 169,5 x 142,5 cm; Courtesy Martin Creed und Hauser & Wirth
Work No. 1878, 2014 . Acryl auf Leinwand, 50,8 x 40,6 cm ; Courtesy Martin Creed und Hauser & Wirth. Foto: Todd White Photography
Work No. 1782, 2013. Toilettenpapier, Maße variabel; Courtesy Martin Creed und Hauser & Wirth. Foto: Genevieve Hanson