Arp Museum Bahnhof Rolandseck

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Bühne frei und Vorhang auf!

Nov 11, 2016 bis Mai 7, 2017

tn Die Ausstellung "Bühnenreif 2. Akt (1600–1900)" folgt ab dem 11. November 2016 auf die vorangegangene "Bühnenreif 1. Akt (1900–2016)". Die zusammenhängenden und aufeinander aufbauenden Schauen widmen sich dem Thema der Bühne in der Bildenden Kunst und stehen damit im Zeichen des 100-jährigen Dada-Jubiläums 2016. So war die Bühne des Züricher Cabaret Voltaire 1916 einer der Entstehungsorte des Dadaismus, der durch seinen performativen Ansatz zu einer folgenreichen Erweiterung des Kunstbegriffs führte.

Konzentriert sich der erste Akt auf den Zeitraum von der Klassischen Moderne bis zur Gegenwart, beleuchtet der zweite Akt nun die Bildende Kunst des Barocks bis zur Epoche der Moderne und deren Wechselwirkung mit der Darstellenden Kunst des Theaters. Die Ausstellung beherbergt insgesamt 67 Exponate, die in der Kunstkammer Rau gezeigt werden. Eine Auswahl von 20 Meisterwerken aus der Sammlung Rau für UNICEF, darunter Gemälde von Gerard Dou, Hubert Robert, Koloman Moser oder Toulouse-Lautrec, wurden von der Kuratorin der Ausstellung, Dr. Susanne Blöcker, in einen neuen Dialog gebracht mit Werken der Theaterwissenschaftlichen Sammlung der Universität zu Köln, des Wiener Theatermuseums, des Mittelrhein-Museums Koblenz und Werken privater Leihgeber.

Der Betrachter blickt in dieser Ausstellung in Gemälden, Plastiken, Zeichnungen und Druckgrafiken zurück auf die Anfänge und die Entwicklung des Theaters und dessen Funktionen in der Gesellschaft. Den Ausgangspunkt bilden die einfachen Bretterbühnen der reisenden Truppen, die auf den öffentlichen Plätzen der Städte spielten. Von dort wird der Weg aufgezeigt über das fürstliche Barock-Theater bis zu den bürgerlichen Bühnen des 19. Jahrhunderts.

Im Fokus stehen zum einen die Darsteller auf der Bühne. Die wiedererkennbaren Typenfiguren des Volkstheaters und der Commedia dell‘ Arte wurden zu Publikumslieblingen sowohl auf der Bühne als auch in vielfachen Darstellungen. So finden sich Pulcinella, Harlekin und ihre Gefährten in der Druckgrafik, in Gemälden oder auch in den populären Meißener Porzellanfiguren von Johann Kändler wieder. Mehr und mehr avancierte der Künstler auf der barocken Bühne dann zum professionellen Akteur. Der Starkult begann und Schauspieler, Sänger sowie Tänzer gewannen an Präsenz und Prominenz – auch im Bildnis. Im bürgerlichen Theater des 19. Jahrhunderts standen Joseph Kainz oder Eleonora Duse mit großer Geste im Mittelpunkt.

Ein weiterer zentraler Aspekt ist der illusionistische Bühnenraum. Die in der Renaissance eingeführte Zentralperspektive erzeugte auf einer gemalten Fläche eine dreidimensionale perspektivische Raumillusion. Diese wusste auch das Theater für sich zu nutzen, denn oft standen nur schmale Spielflächen zur Verfügung. Vielfach dienten daher Architekturgemälde als Vorlage für Bühnenbilder, was Beispiele von François de Nome und Jan Saenredam in der Ausstellung nachvollziehbar machen. Namhafte Maler, Zeichner und Architekten arbeiteten auch direkt für die Bühne – von Leonardo bis Schinkel. Eine der berühmtesten Bühnendekorationen überhaupt, Schinkels Entwurf für die Sternenhalle der Königin der Nacht in Mozart’s Zauberflöte (von um 1815) zeigt eindrucksvoll wie es ihm gelingt den Bühnenraum emotional aufzuladen.

Höfische Feste in Renaissance und Barock waren die Bühnen der Mächtigen. Auf Maskenbällen, wie dem im Gemälde von Jakob Rousseau festgehaltenen Ball des Kölner Erzbischofs von 1754, ließen sich die Herrschenden von ihren Hofkünstlern in Szene setzen und präsentierten sich im idealen Rollenbild. Davon zeugt ein besonderes Porträt Ludwigs des XIV. im goldenen Kostüm von Henry de Gissey. Der Regent, der auch ein hervorragender Tänzer war, trat 1653 im Ballett als Sonnengott Apollon auf, was ihm zu seinem Beinamen "Sonnenkönig" verhalf. Die Reproduktion des Kostüms realisierte die Bonner Gruppe Purpurvilla und wird diesen bei der Ausstellungseröffnung am lebenden Modell vorführen.

Zum Abschluss widmet sich die Schau dem Volkstheater des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Die originalen und ältesten erhaltenen Stockpuppen des 1802 gegründeten Hänneschen Theaters in Köln nehmen den regionalen Bezug zum Rheinland auf. Zwei Marionetten aus dem Marionettenzirkus des Wiener Praters bieten hier einen europäischen Vergleich. "Bühnenreif 2. Akt (1600–1900)" offenbart damit auf vielen "Schauplätzen" die Wechselwirkung zwischen Bildender Kunst und Theater und führt den Betrachter in die Entwicklung bis hin zur Moderne ein, womit sie zur Präsentation "Bühnenreif 1. Akt" im Neubau des Arp Museums überleitet.


Bühnenreif 2. Akt (1600–1900
11. November 2016 bis 7. Mai 2017

Pietro Longhi zugeschr. (* 1702 Venedig – † 1785 ebda.): Il Ridotto, 1750. Öl auf Leinwand, 82 x 114 cm; © Arp Museum Bahnhof Rolandseck / Sammlung Rau für UNICEF, Inv. Nr. GR 1.522. Foto: Horst Bernhard
Karl Friedrich Thiele (* 1780 – † 1836), nach Karl Friedrich Schinkel: Bühnenbild für 'Die Zauberflöte', Die Sternenhalle der Königin der Nacht, Berlin um 1815. Kolorierte Aquatinta, 35 x 51,2 cm; © und Foto: Theaterwissenschaftliche Sammlung, U
Bernardo Bellotto, gen. Canaletto (* 1722 Venedig – † 1780 Warschau): Les Indes Galantes, 1. Entrée: Le Turc Genereux, 1759. Kupferstich, 47 x 62,5 cm; © und Foto: Wien Museum, Inv. Nr. 33.084
François Rousseau (* um 1717 – † 1804): Maskenball in der Residenz zu Bonn, Inneres des Hoftheaters im kurfürstlichen Schloss, 1701 / 1800. Öl auf Leinwand, 105 x 146 cm; © Kölnisches Stadtmuseum, Inv. Nr. RM 1927/658. Foto: rba_c005846
Hans Makart (* 1840 Salzburg – † 1884 Wien): Vorhangentwurf zu 'Ein Sommernachtstraum' (Shakespeare), Wien 1872. Öl auf Leinwand, 109 x 130 cm; © und Foto: Theaterwissenschaftliche Sammlung, Universität zu Köln