Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München

Luisenstraße 33
D - 80333 München

T: 0049 (0)89 2333 200-0
F: 0049 (0)89 2333 200-3/4

E: lenbachhaus@muenchen.de
W: http://www.lenbachhaus.de/


weitere Ausstellungen

Thomas Bayrle im Münchner Lenbachhaus

Dez 13, 2016 bis Mär 5, 2017

tn Thomas Bayrle (geb. 1937) führte in die Gegenwartskunst das Bewusstsein für die Sinnlichkeit von Maschinen und für die Ästhetik maschineller Produktion ein. In den 1950er Jahren ließ er sich zum Weber und Grafiker ausbilden. Als einer der ersten Künstler in Deutschland arbeitete er mit computergenerierten Bildern und bediente sich des Prinzips des Seriellen, ein Ansatz, der ihn zu einem Pionier der Pop Art machte. Dies lässt sich in seinen frühen Filmen nachvollziehen, die vollständig in der Ausstellung zu sehen sind. Bayrle befasst sich künstlerisch mit den sozialen Organisationsgesetzen von Individuum und Masse, wobei er seine Bildmotive der Alltagswirklichkeit und Waren- und Konsumwelt des Menschen entnimmt.

Das Wachstum urbaner Strukturen sowie auf Massengebrauch angelegter Fortbewegungsmittel versteht er als einen Kreislauf, der zwar von der Wirtschaft ausgelöst wird, diese aber wiederum auch in Gang hält. Er beschäftigt sich mit diesen Strukturen einerseits kritisch, anderseits bewusst als Konsument und Teilnehmer. Die Autobahn spielt seit den 1970er Jahren eine wichtige Rolle in Bayrles OEuvre. Ein Hauptwerk in seiner Ausstellung, die der Künstler für das Lenbachhaus konzipiert hat, ist eine neu erarbeitete skulpturale Wandinstallation, in der er das Motiv der Autobahn zu seinem Höhepunkt führt: ein auf die Dimensionen des Kunstbaus zugeschnittenes 30 Meter langes, 5 Meter hohes Wandrelief aus Holz repräsentiert als Bild gewordenes Ornament die physische Zirkulation und räumliche Bewegung von Menschen in ihrem Automobil als Fortbewegungsmittel im öffentlichen Raum.

Einem ähnlichen Interesse folgen Bayrles aufgeschnittene Motoren in Betrieb, die er erstmals 2012 bei der documenta 13 zeigte, und die in ihrer Gesamtheit in der Ausstellung im Lenbachhaus zu sehen sind. Mit diesen Motoren visualisiert Bayrle die Ästhetik von Maschinen, aber auch den Lebensrhythmus und die Verfassung des Menschen als Teil der Massengesellschaft. Die den Motoren zugeordneten Sounds sind mit inhaltlichem Bezug meist der kirchlichen Liturgie entnommen. Die Verbindung von Religionen untereinander stellt Bayrle mittels ihrer in Beziehung gesetzten liturgischen Gebete her. Es gehört zur gemeinsamen Evidenz von Maschine und Gebet, dass beide vom Prinzip der Wiederholung, das heißt der virtuellen Endlosigkeit und damit der Unendlichkeit als Ausdrucksform der Ewigkeit angeleitet sind.

Thomas Bayrle war von 1972 bis 2002 Professor an der Städelschule in Frankfurt. Dort prägte und prägt er bis heute nachfolgende Künstlergenerationen. Die Frankfurter Kunstszene, die im Vergleich mit Zentren wie Köln und Düsseldorf in der Nachkriegszeit der 1950er und 60er Jahre wenig profiliert war, wurde von Bayrle – zur Zeit und unter dem Einfluss der Frankfurter Schule und des Instituts für Sozialforschung unter Theodor W. Adorno und Max Horkheimer – maßgeblich mitgeschaffen.


Thomas Bayrle
13. Dezember 2016 bis 5. März 2017

Prega per noi, 2012. © der Künstler; VG Bild-Kunst, Bonn 2016
Rosenkranz, 2009. Privatsammlung Wien; Foto: Werner Kaligofsky, VG Bild-Kunst, Bonn 2016
Rosenkranz, 2009. Privatsammlung Wien; Foto: Werner Kaligofsky, VG Bild-Kunst, Bonn 2016
S-Formation, 2005. © der Künstler, VG Bild-Kunst, Bonn 2016
Carmageddon, 2012. © der Künstler, VG Bild-Kunst, Bonn 2016