Karikaturmuseum Krems

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Sokol. Auslese

Mär 25, 2018 bis Nov 25, 2018

tn Ein herausragende und international renommierte Zeichner, Karikaturist und Medienvisionär hält Einzug ins Karikaturmuseum Krems. Erich Sokol (1933 – 2003) ist vor allem bekannt durch seine großen, farbigen Porträts von Persönlichkeiten des kulturellen und politischen Lebens, etwa Erwin Steinhauer, Helmut Qualtinger und Paula Wessely. Sokol gilt als Wegbereiter der neuen österreichischen Schule der Porträtkarikatur. Als Art-Direktor des ORF war er auch mitverantwortlich für die Entwicklung des Corporate Designs des ORF Senders.

Erich Sokol zeichnete bereits als junger Künstler für Die Presse, die Wiener Bilderwoche und die Arbeiter-Zeitung. 1957 absolvierte er eine Ausbildung am Institute of Design in Chicago, wo er Hugh Hefner, Herausgeber des Playboy, begegnete. Daraus entstand eine langjährige Zusammenarbeit mit dem US-amerikanischen Männermagazin. Sokol hielt seine persönlichen Eindrücke vom American Way of Life treffend in satirischen Charakterstudien, den "American Natives", fest. Nach seiner Rückkehr aus den USA wurde er als editorial cartoonist von der Arbeiter-Zeitung engagiert, und auch bei internationalen Medien, wie dem Stern, der New York Times und The Sunday Telegraph, galt Sokol als gefragter Zeichner. Erich Sokol war als Art-Direktor des ORF prägend für viele Generationen und das ORF-Auge wird noch heute mit ihm assoziiert.

In der diesjährigen Hauptausstellung des Karikaturmuseum Krems "Sokol. Auslese" werden über 220 seiner besten Karikaturen und herausragenden Zeichnungen gezeigt. Beginnend bei den frühen Karikaturen für die Arbeiter-Zeitung, über die satirischen Zeichnungen aus Amerika und die Cartoons für den Playboy bis hin zu seinen politischen Karikaturen und der satirischen Porträtgalerie.

Künstlerische Ausdrucksweisen und Gestaltungsmittel, die Sokol am Institute of Design in Chicago im Bereich der Fotografie und Druckgrafik unter dem Einfluss seiner Lehrer Aaron Siskind und Misch Kohn geübt hatte, bildeten auch jetzt die Grundlage für seine freien Arbeiten. Wieder kombinierte er Techniken und Materialien, schuf Fotoarbeiten mit collageartig arrangierten Motiven und setzte diese in ähnlicher Weise auch malerisch um. 1967 wurde Sokol Chefgrafiker des ORF. Seine neue Arbeit, die ihm jede Möglichkeit des künstlerischen Experimentes bot, nahm ihn so sehr gefangen, dass ihm für die Malerei bald fast keine Zeit mehr blieb. Erich Sokol – ein Name, der untrennbar auch mit dem Österreichischen Rundfunk (ORF) und seinem optischen Erscheinungsbild verbunden ist. Er war der erste Art-Direktor des österreichischen Fernsehens. Als erster Grafikdesigner wurde Sokol von Generalintendant Gerd Bacher gleich zu Beginn seiner ersten Amtsperiode 1967 von der Arbeiter-Zeitung (AZ) in den ORF geholt.

Nun verfügte der ORF nicht nur über einen international bekannten und renommierten Karikaturisten, sondern auch über einen höchst kreativen Fotografen und Designer. Erich Sokol machte es sich zur Aufgabe, dem ORF ein neues Erscheinungsbild zu geben und ihn zu einer unverwechselbaren Marke werden zu lassen. Er begann mit seinem jungen Team neue Visualisierungen und eine eigene Bildsprache zu entwickeln. Die bisher statische Bildgestaltung wurde durch Sokol "lebendig" und Signations, wie die der Zeit im Bild, als Sendungserkennung eingeführt. Zur neuen Markenbildung des ORFs gehörte auch der Entwurf eines neuen Logos. So entstand das weiß-rote ORF-Auge, das bis heute maßgeblich mitbestimmend ist für das Corporate Design des ORFs. Auf der Basis des ORF-Auges entwickelte Sokol dann die gesamte Corporate Identity des ORFs und war damit Wegbereiter des Corporate Designs in Österreich. Die Handschrift Sokols ist bis heute prägend für das moderne ORF Design.

Die Zeichnungen und Karikaturen, die in Ausdruck und Ausführung als künstlerisch unerreicht gelten, stammen von den Landessammlungen Niederösterreich, der Erich Sokol Privatstiftung und privaten Leihgeber/innen und wurden in enger Zusammenarbeit mit Annemarie Sokol, Witwe und Nachlassverwalterin, ausgewählt. Mit großem Einfallsreichtum und einem unglaublich breiten Spektrum von formalen Ausdrucksmöglichkeiten kommentierte Erich Sokol das tagespolitische Geschehen und internationale Konflikte. Er galt als Entdeckung, seine pointierten Zeichnungen – für die AZ unverzichtbar – wurden von seinen Kollege/innen geschätzt und von politischen Gegner/innen gefürchtet. In diesem Zusammenhang muss auch die von ihm geschaffene legendäre Figur der "ÖVP-Tant" genannt werden.

Als 1975 ein Relaunch beim ORF seine ganze Aufmerksamkeit erforderte, gab Sokol nach 18 Jahren und rund 200 abgelieferten Cartoons auch die lukrative Arbeit für den Playboy auf, die ihm international große Bekanntheit gebracht hatte. Die Entscheidung wurde ihm wohl durch den Umstand, dass die Neue Kronen Zeitung in Wien an einer regelmäßigen Zusammenarbeit interessiert war. Hier wurde ihm die Möglichkeit geboten, seine Fähigkeiten wieder als politischer Karikaturist zu entfalten, und zwar jeden Samstag auf der Titelseite, ganzseitig und in Farbe. Bis Mitte der 1980er-Jahre konnte man Sokols Weltsicht einmal pro Woche der Neuen Kronen Zeitung entnehmen. Andere Wiener Magazine warben um Sokols Gunst. Trend, Die Bühne und Die ganze Woche schmückten sich ebenfalls mit seinen Vierfärbern, zur Freude ihrer Leserschaft. Was mit den "American Natives" in Form einer allgemeinen Charakterstudie von amerikanischen Typen begonnen hatte, war von Sokol durch die Jahre verfeinert worden, bis er es zu Meisterschaft in der Porträtkarikatur brachte. Immer mehr war es ihm über die Zeit gelungen, in die Tiefe zu gehen, das Wesen der Porträtierten zu ergründen und zu charakterisieren.


Sokol. Auslese
25. März bis 25. November 2018

Wiener Festwochen, 1986; © Erich Sokol Privatstiftung, Mödling
Der Herr Doctor Karl, 1987; © Erich Sokol Privatstiftung, Mödling
Cap - Cha Cha Cha, 1983; © Erich Sokol Privatstiftung
Thomas Bernhard, 1990; © Erich Sokol Privatstiftung, Mödling
Make up der Freiheitsstatue; © Landessammlungen Niederösterreich, Foto Christoph Fuchs
Erich Sokol; © Erich Sokol Privatstiftung, Mödling