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Emil Dill und die Moderne

Apr 30, 2017 bis Jun 3, 2017

tn Emil Dill (1861–1938) ist ein bedeutender Exponent der Schweizer Moderne der ersten Stunde. Ausgebildet in den renommierten Kunstzentren Europas befasste er sich schon früh mit progressiven Bewegungen wie etwa dem Pointillismus und Japonismus. Eingebunden in ein weitreichendes Beziehungsnetz experimentierte der vielseitig versierte Künstler – als passionierter Gestalter faszinierte ihn auch das fernöstliche Kunstgewerbe – mit neuen Techniken und Bildfindungen.

Dill war tief beeindruckt von der japanischen Kultur. Als einer, der seine künstlerischen Wurzeln selbst im Kunstgewerbe hatte, konstatierte er eloquent: "(…) dem europäischen Geschmack [entsprechen] von jeher symmetrische Anordnungen, und der jüngsten Gegenwart war es vorbehalten, – denselben in dieser Hinsicht etwas zu ändern und Geschmack zu finden an den, einem anderen Prinzip unterstellten, herrlichen Erzeugnissen japanischer Dekorations-Malerei, Seidenstickerei, Metallarbeiten u. mit ihren ganz willkürlich und zufällig erscheinenden, aber feinstes Gefühl für geschmackvolle Dekoration beweisenden Raumausfüllungen." Dill war sich sehr bewusst über den Einfluss, welche die fernöstliche Kultur im ausgehenden 19. Jahrhundert auf das Kunstschaffen in Europa hatte. So beschrieb er deren Einfluss mit den bezeichnenden Worten: "Japan, das (…) mit seinen unübertrefflichen Arbeiten der dekorativen Kunst hervorragt und selbst die europäische befruchtet."

Während seinen extensiven Studienaufenthalten durchlief er eine rigorose Ausbildung, welche dezidiert auch kunsttheoretische Bereiche beinhaltete. In seiner Abhandlung "Über die Entwicklung der bildenden Künste, insbesondere derjenigen der Gegenwart", die 1903-1906 publiziert wurde, verarbeitete er seine im Studium und in der Praxis gewonnenen Erkenntnisse. Nach gemeinsamen Studien in Paris und München unterhielt Emil Dill zeitlebens engen Kontakt mit seinen prominenten Weggefährten Cuno Amiet (1868–1961), Giovanni Giacometti (1868–1933), Hans Emmenegger (1866–1940) und Sigismund Righini (1870-1937). In seinen reduktiven Werken, in denen er bewusst die Vereinfachung der jeweiligen Motive forcierte, zeigt er sich als Wegbereiter der Abstrakten Malerei.

Der vielseitig begabte und kulturell interessierte Künstler befasste sich wie andere Künstler seiner Zeit intensiv mit den gesellschaftlichen und geopolitischen Ereignissen auf regionaler, nationaler wie internationaler Ebene und kommentierte diese vorzugsweise in seinem grafischen Werk. In seinen Arbeiten mit dezidiert historisch-dokumentarischem Bezug zeigt er sich als tiefgründiger Beobachter und feinfühliger Erzähler. Insbesondere seine Illustrationen für die Satirezeitschrift "Der Nebelspalter" bestechen durch ihren Aktualitätsbezug. Nicht nur die Themenwahl, sondern ebenso die stilistische Ausführung dieser Arbeiten erweisen sich auch im Rückblick als zeitgemäss und relevant.

Viele von Dills grafischen Werken und Illustrationen sind mehrschichtig aufgebaut und beinhalten polivalente Aussagen. Die gesellschaftskritische Karikatur und ihr Konterpart, die sozialpolitische Satire, spielen eine prominente Rolle in der Entwicklung der modernen Malerei um 1900. Jedoch erst in neuerer Zeit wurde ihnen die gebührende Aufmerksamkeit der Kunstwelt zuteil.

Mit dieser Ausstellung wird Emil Dill erstmals eine umfassende Retrospektive gewidmet, die sein OEuvre systematisch analysiert und dessen Genese im zeitgenössischen Kontext kommentiert.
Kuratiert von Georg M. Hilbi

Publikationen:
- Emil Dill – Der Künstler als Chronist und Illustrator, 2017. Chronos, Zürich, 244 S., CHF 58, ISBN 978-3-0340-1351-2
- Emil Dill (1861–1938), 2015, Zweisprachig Deutsch/Englisch, Chronos, Zürich, 248 S., CHF 58, ISBN 978-3-0340-1275-1


Emil Dill (1861–1938) und die Moderne
Eine Retrospektive
30. April bis 3. Juni 2017

Sonnenuntergang am Zugersee (Detail). Öl auf Malkarton
Traum eines schweizerischen Kunstkritikers. Der Nebelspalter, 2. Juli 1892
Winterlandschaft, Lauried gegen Baar, um-1914. Öl auf Leinwand
Gutsch, um 1910. Schwarze Tusche laviert, weiss gehöht, auf Papier
Baum im Herbst, 1906-1910. Aquarell auf Papier
Emil Dill, Selbstbildnis, 1901. Öl auf Leinwand