Kunsthalle Krems

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Picasso - Gorky - Warhol. Skulpturen und Arbeiten auf Papier

Jul 1, 2018 bis Nov 4, 2018

tn Die Schweizer Sammlung Hubert Looser zählt zu den herausragenden europäischen Privatsammlungen moderner und zeitgenössischer Kunst, die Surrealismus, abstrakten Expressionismus, Minimal Art und Arte povera zum Schwerpunkt haben. Die Ausstellung in der Kunsthalle Krems, die im Anschluss in das Kunsthaus Zürich wandert, veranschaulicht mit über 150 Werken aus der Sammlung, die von der Moderne bis in die Gegenwart reichen, das spannungsreiche Verhältnis zwischen Skulpturen und Arbeiten auf Papier.

Ein großer, mannigfaltiger Bestand von Arbeiten auf Papier bildet den Grundstein der Sammlung Hubert Looser, eindrücklich ergänzt durch Gemälde und Skulpturen. Darunter finden sich etwa Werke von Arshile Gorky, Willem de Kooning, Cy Twombly, Andy Warhol, Agnes Martin, Roni Horn und Richard Serra sowie ein Werkblock von Schweizer Positionen, mit denen Hubert Looser seine Sammlung begründete.

Vor allem die Linie und mit ihr die Zeichnung ist für ihn ein visuell-ästhetisches Manifest, ein Appell, sich intuitiv und feinfühlend mit Kunst auseinanderzusetzen. Die Zeichnungen zeigen in gewisser Weise das Concetto der Künstlerinnen und Künstler, sie sind der unmittelbare grafische Niederschlag ihrer prima idea, die auch fallweise ins Skulpturale oder in die großformatige Malerei weiterentwickelt wird. Oder die Zeichnung steht als solitäre Behauptung für sich: Puristische Linien markieren das Blatt Papier – ob figurativ bei Henri Matisse und Andy Warhol oder abstrakt bei Cy Twombly oder Brice Marden.

Die frühen Schweizer Ankäufe der Sammlung Hubert Looser aus den 1960er- und 1970er-Jahren sind zumeist Arbeiten auf Papier. Diese Zeichnungen von Vertreter/innen des Surrealismus und des Informel werden Werken internationaler kunsthistorischer Größen wie Gorky oder de Kooning gegenübergestellt. So kommt es etwa zur spannenden Konfrontation einer Tuschzeichnung von Gorky aus den 1930er-Jahren mit Blättern von Serge Brignoni oder von Lenz Klotz’ kreiselnden Linien mit Twomblys kritzeligen Spuren auf dem Papier. Eigens für die Kunsthalle Krems schuf die französische Künstlerin Fabienne Verdier ein neues Werk. Die Ausstellung wirft einen frischen Blick auf die Werke und rückt das weniger Beachtete in den Fokus, um neue Erkenntnisse zu gewinnen.

Mit Werken von: Magdalena Abakanowicz, Jean-Charles Blais, Serge Brignoni, Anthony Caro, Eduardo Chillida, Le Corbusier, Martin Disler, Arshile Gorky, Philip Guston, Roni Horn, Jasper Johns, Yves Klein, Lenz Klotz, Willem de Kooning, Catherine Lee, Sol LeWitt, Brice Marden, Agnes Martin, Henri Matisse, Meret Oppenheim, A.R. Penck, Giuseppe Penone, Pablo Picasso, Walter Pichler, Arnulf Rainer, Mimmo Rotella, Dieter Roth, Sean Scully, Kurt Seligmann, Richard Serra, David Smith, Louis Soutter, Sophie Taeuber-Arp, Al Taylor, André Thomkins, Richard Tuttle, Cy Twombly, Bernar Venet, Fabienne Verdier, Andy Warhol und Hugo Weber.

Die Geschichte der Sammlung Hubert Looserreicht bis ins Jahr 1962 zurück, als der 26-jährige Hubert Looser in Kambodscha sein erstes Werk erwarb: eine Frottage von Reliefwänden der Tempelanlage Angkor Wat. Obwohl der Schwerpunkt der Sammlung auf moderner und zeitgenössischer Kunst der westlichen Hemisphäre liegt, finden sich darin auch vereinzelt Schätze antiker künstlerischer Produktion aus dem asiatischen Raum. Der ehemalige Unternehmer ist Philanthrop und hat seit 1988 über 40 humanitäre Projekte unterstützt, davon zwei in dieser Region.

Den Einstieg in die moderne und zeitgenössische Kunst vollzog der Zürcher Sammler mit Schweizer Positionen. Er erwarb Werke der abstrakt-expressiven Maler Marcel Schaffner, Hugo Weber und Lenz Klotz sowie der surrealistischen Künstler André Thomkins, Kurt Seligmann und Serge Brignoni. Sie schmückten seine privaten Räume ebenso wie die Büros seiner Unternehmen – Hubert Looser war Mitinhaber des Heizsystemkonzerns ELCO und bis 1992 Präsident der Walter Rentsch Holding AG. 1988 gründete er die Fondation Hubert Looser. Über die Jahre gesellten sich Werke von damals bereits international bekannten Schweizer Größen wie Martin Disler, Meret Oppenheim oder Jean Tinguely und als Krönung die Bronze Annette assise von Alberto Giacometti zu den anderen.

In den frühen 1990er-Jahren stieg Hubert Looser in den Markt für US-amerikanische Kunst ein und erwarb eine Mao-Zeichnung von Andy Warhol aus dem Jahr 1973; die Anschaffung spiegelt seine Verbundenheit mit der reinen Zeichnung wider. Die typischen Siebdrucke des Pop-Art-Meisters interessierten ihn weniger als die Arbeiten des amerikanischen abstrakten Expressionismus und der Minimal Art, die in europäischen Sammlungen selten anzutreffen waren. Allen voran war es das Werk Willem de Koonings, mit dem sich die Sammlung Hubert Looser profilieren sollte.

Heute bildet der Looser-Bestand an De-Kooning-Arbeiten einen der bedeutendsten in Europa. Weitere wichtige Positionen in der Sammlung sind die Werkblöcke von Brice Marden, David Smith, Cy Twombly, Robert Ryman, Agnes Martin, Al Taylor, Jasper Johns, Ellsworth Kelly, Richard Tuttle, Lucio Fontana, Giuseppe Penone und Bernar Venet; zudem enthält sie einzelne meisterhafte Arbeiten von Pablo Picasso, Alberto Giacometti, Arshile Gorky, Anselm Kiefer, Tony Smith, Donald Judd oder Richard Serra. Picassos Skulptur Sylvette von 1954 ist gewissermaßen Hubert Loosers Nofretete. In ihr vereinen sich Zeichnung und Plastik auf genialisch-spielerische Art.


Picasso - Gorky - Warhol. Skulpturen und Arbeiten auf Papier
1. Juli bis 4. November 2018

Cy Twombly: Ohne Titel, 1961. Bleistift und Wachskreide auf Papier, 28 x 35,5 cm; © Cy Twombly Foundation. Foto: Fondation Hubert Looser
Jasper Johns: Corpse and Mirror, 1976. Farbsiebdruck, 107,5 x 132,5 cm, AL / ed.: 50/65; © Bildrecht, Wien, 2018. Foto: Fondation Hubert Looser
Pablo Picasso: Sylvette, 1954. Beidseitige Ölmalerei auf ausgeschnittenem Metallblech, 69,9 x 47 x 1 cm; © Succession Picasso / Bildrecht, Wien, 2018. Foto: Fondation Hubert Looser
Sean Scully: Red Doric 10.3.13, 2013. Pastell auf Papier, 152,4 x 203,2 cm; © Sean Scully. Foto: Fondation Hubert Looser
Louis Soutter: Contestat, 1937-1942; © Bildrecht, Wien, 2018. Foto: Fondation Hubert Looser
Andy Warhol: Mao, 1973. Grafit auf Papier, 92,1 x 92,7 cm. © The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc./ Licensed by Bildrecht, Wien, 2018. Foto: Fondation Hubert Looser