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Rot ich weiß Rot. Kritische Kunst für Österreich

Mai 22, 2016 bis Nov 6, 2016

tn Zahlreiche hochklassige Kunstausstellungen setzen sich mit ästhetischen Aspekten auseinander, rücken humorvolle oder kulinarische Perspektiven ins Zentrum, erschließen Gerüche, bieten Gelegenheit zum Verweilen, entspannen und genießen. Die Ausstellung "Rot ich weiß Rot. Kritische Kunst für Österreich" führt dagegen auf ein Kernanliegen der Kunst zurück. Anlass ist ein literarisches Werk, das vor fast vierzig Jahren geschrieben, bis heute unvermindert aktuell geblieben ist.

1979 nimmt das Buch "Rot ich weiß Rot" eine kritische Reflexion mit dem künstlerischen Klima in Österreich vor. Ausgangspunkt dafür ist die These einer "politischen Windstille", die laut einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung dazu führt, dass es in Österreich keine Kritiker des eigenen Landes gäbe. Dem stellen rund 70 AutorInnen von Thomas Bernhard bis Helmut Qualtinger, von Friederike Mayröcker und Elfriede Jelinek, von Josef Haslinger bis Peter Handke eine umfassende Kritik derpolitischen, gesellschaftlichen und kulturellen Situation unseres Landes entgegen.

Die Ausstellung "Rot ich weiß Rot. Kritische Kunst für Österreich" lotet die Relevanz des Buches für das Kunstschaffen aus. Sie spürt Deutungen der nationalen Identität nach, beschäftigt sich mit dem Nachwirken des Nationalsozialismus, zeigt alternative Lebensmodelle der Künstlerinnen und Künstler auf und thematisiert die kritische Auseinandersetzung mit Geschlechterfragen.

Am Anfang der Deutung Österreichs steht Leopold Kupelwiesers Überhöhung der Heimat in der Allegorie Austria (um 1848). Staatswappen und Landkarten von Manfred Deix, Oswald Tschirtner und August Walla sehen Österreich später neu und anders. Der Widerstandsbutton von Johanna Kandl und Ingeborg Strobl greift schließlich die Idee der Landesfarben auf und färbt Österreich als Protest gegen die Regierungsbildung des Jahres 2000 schwarzblau.

Der Nationalsozialismus wird in Susanne Wengers Werken der letzten Kriegsjahre verarbeitet. Die Bilder verbinden Traum und Trauma der als "entartet" gebrandmarkten Künstlerin. Auch das Nachleben des Nationalsozialismus wird zum Thema. Viktor Matejka, als Symbolfigur eines unermüdlichen Aufzeigers tritt ebenso in Erscheinung wie der Grenzgänger Padhi Frieberger, der in seinem Werk "Scheißbrauner Lippizaner" (1986/87) eine touristische Visitenkarte Österreichs demontiert, indem er den Aufstieg der Spanischen Hofreitschule im Dritten Reich aufzeigt.

Der Herr Karl ist dagegen Helmut Qualtingers Mitläuferfigur – fotografiert von Franz Hubmann (1962) – die in sympathischer Tarnung die Skrupellosigkeit des Durchschnittsösterreichers entlarvt. Wie schwer das offizielle Österreich mit Neuem umgehen konnte, zeigt Herbert Boeckls Wettbewerbsbeitrag "Das große Welttheater für den Eisernen Vorhang der Staatsoper" des Jahres 1955. Boeckl analysiert den Zustand Österreichs zwischen Nachkriegselend und Öffnung für den internationalen Aufbruch. Die Jury war überfordert und gab Rudolf Hermann Eisenmenger den Vorzug, der – von Adolf Hitler bewundert – die Kriegsjahre 1939 -1945 als Präsident des Wiener Künstlerhauses verbracht hatte.

Aktionistische Kunstformen bilden einen Aufschrei gegen die Verdrängungspolitik und Enge der späten Nachkriegsära. Während der Aktion "Blutorgel" (1962) lassen sich Adolf Frohner, Otto Muehl und Hermann Nitsch für drei Tage in einem Atelierkeller einmauern, um revolutionäre Ausdrucksformen zu entwickeln. Ebenso wie Günter Brus mit seinem "Wiener Spaziergang" (1965) – der auch als Kurzfilm zu sehen ist – lösen sie einen Skandal aus. In der Folge entwirft Otto Muehl ein alternatives Gesellschafts- und Lebensmodell, das 1972 in die Kommune Friedrichshof mündete.


Rot ich weiß Rot. Kritische Kunst für Österreich
22. Mai bis 6. November 2016

Herbert Boeckl: Das große Welttheater, 1955. Tempera/ Leinen, 125,5 x 111 cm; © Land Niederösterreich, Landessammlungen NÖ. Foto: Peter Böttcher
Gottfried Helnwein: Selbstporträt mit Cyril und Ali, 1988. Öl, Acryl/Leinen, 174,5 x 118 cm; Land Niederösterreich, Landessammlungen NÖ. Foto: Peter Böttcher; © Bildrecht, Wien, 2016
Oswald Tschirtner: Österreichisches Staatswappen, 1971. Tusche, Wasserfarbe auf Zeichenkarton, 14,8 x 10,5 cm; © Land Niederösterreich, Landessammlungen NÖ. Repro: Kathrin Kratzer
Manfred Deix: Bundesadler Neu I, 1989. Aquarell auf Karton, 31,2 x 24,4 cm; Land Niederösterreich, Landessammlungen NÖ. Repro: Kathrin Kratzer; © Manfred Deix, 2016