Kunsthalle München

Theatinerstraße 8
D - 80333 München

T: 0049 (0)89 22 44 12

E: kontakt@kunsthalle-muc.de
W: http://www.kunsthalle-muc.de


weitere Ausstellungen

Inszeniert! Spektakel und Rollenspiel in der Gegenwartskunst

Aug 19, 2016 bis Nov 6, 2016

tn Die Welt als Bühne ist in Werken zeitgenössischer Künstler immer wieder Thema. Highlights aus der Sammlung Goetz – von Fotografie über Medienkunst bis zu Installationen – zeigen die Vielfalt des Wechselspiels zwischen darstellender und bildender Kunst. Die Ausstellung erkundet, auf welch unterschiedliche Arten Illusionen erzeugt werden und welche Strategien Künstler verwenden, um sich selbst und ihre Welt zu inszenieren.

"Die ganze Welt ist Bühne/Und alle Frauen und Männer bloße Spieler", heißt es in William Shakespeares "Wie es euch gefällt". Die Inszenierung des Lebens, wie sie der englische Dramatiker in seinem Lustspiel schon 1599 beschrieb, ist noch heute ein zentrales Thema für uns. Wie bestimmen Fiktion und Inszenierung unsere Realität? Was gaukeln uns die Bilder der Medien vor? Welche Rollen haben wir alltäglich zu spielen? Solche Fragen gewinnen – z.B. bedingt durch die sozialen Netzwerke, in denen wir uns präsentieren – zunehmend an Aktualität. Auch zeitgenössische Künstler beleuchten in Malerei, Skulptur und Fotografie ebenso wie in Film und Installationen das komplexe Verhältnis von Schein und Sein. Dabei greifen sie auf die Welt des Theaters, der Oper und des Balletts zurück und lassen sich von prunkvoller Architektur und opulenten Bühnenbildern, von Spektakel, Rollenspiel und Maskerade inspirieren.

Die Ausstellung in der Kunsthalle München versammelt nahezu 90 Werke von mehr als 20 namhaften internationalen Künstlern, unter ihnen Matthew Barney, Stan Douglas, Nan Goldin, Candida Höfer, Ulrike Ottinger, Cindy Sherman und Jeff Wall. Die Exponate entstanden zwischen 1972 und 2013 und können somit als Querschnitt des Wechselspiels zwischen Kunst und Bühne in der Gegenwart gelten. Sie setzen sich mit Theaterarchitektur als kulturellem und gesellschaftlichem Raum und mit dem Illusionismus der Bühne auseinander, thematisieren die Bedeutung des Zuschauers und stellen grundlegende Fragen nach Identität und Rollenmodellen. Gezeigt werden unterschiedlichste, zuweilen surreale Weltentwürfe zwischen Poesie und Trash, politischem Zeitgeschehen und Science Fiction, klassischer Malereitradition und multimedialer Installationskunst.

Zahlreiche Werke zielen dabei nicht darauf ab, perfekte Illusionen zu erzeugen, sondern faszinieren gerade dadurch, dass sie ihre eigene Inszenierung offenlegen: Wenn der Betrachter sieht, wie das Spielzeug- und Nippesgewimmel von Hans-Peter Feldmann zu einem imposanten Schattentheater wird oder sich bei Hans Op de Beeck Plastikwasserflaschen in Hochhäuser verwandeln, schaut er gleichzeitig auf die Bühne und hinter die Kulissen. Ulrike Ottinger zitiert in ihren Fotografien von Außenseitern der Gesellschaft religiöse und theatralische Inszenierungsstrategien sowie volkstümliche Rituale und erkundet auf diese Weise das Abseitige und Abnorme. Rollenspiel und Maskerade setzen auch zahlreiche weitere Künstler ins Bild, wobei häufig Prozesse der Verwandlung im Vordergrund stehen.

Momente des Dazwischen, des Umziehens und Schminkens, in denen eine neue Identität entsteht – solche Szenen hat Nan Goldin in ihren Fotografien von Drag Queens festgehalten. Vollendete Verwandlungen hingegen präsentiert Cindy Sherman: In ihren fotografischen Inszenierungen nimmt sie immer wieder neue Identitäten an und hinterfragt so kritisch unsere Vorstellung von einem "wahren Ich" hinter kulturellen Rollenmustern. Einen wichtigen Schwerpunkt bilden Arbeiten, die den Betrachter als Akteur in den Vordergrund rücken und damit die üblichen Parts von Darsteller und Zuschauer neu verhandeln: Wenn Elmgreen & Dragset mit einer von der Decke hängenden Schlinge und einem umgefallenen Stuhl ein Selbstmordszenario andeuten, ist jeder Betrachter aufgefordert, seine eigene Erzählung dahinter zu entwickeln.


Inszeniert! Spektakel und Rollenspiel in der Gegenwartskunst
Eine Kooperation mit der Sammlung Goetz
19. August bis 6. November 2016

Matthew Barney: Cremaster 5 'Elválás' (Detail), 1997. C-Print, 89,4 x 74,8; Foto: Larry Lamay. Courtesy Sammlung Goetz, München
Cindy Sherman: Untitled #299, 1994. C-Print, 124 x 84 cm; Courtesy of the artist and Metro Pictures, New York and Sammlung Goetz, München
Ulrike Ottinger: Absinth (Tabea Blumenschein), 1975. C-Print, 62 x 40 cm; Courtesy Sammlung Goetz, München. © Ulrike Ottinger, VG Bild-Kunst, Bonn, 2016
Laurie Simmons: Walking Cake II (Farbe), 1989. Cibachrome, 162 x 116 cm; Courtesy Sammlung Goetz, München