Pinakothek der Moderne

Kunstareal, Barer Str. 40
D - 80799 München

T: 0049 (0)89 23805-360
F: 0049 (0)89 23805-125

E: info@pinakothek.de
W: http://www.pinakothek.de/


weitere Ausstellungen

Araki. Tokyo

Okt 26, 2017 bis Mär 4, 2018

tn Der Japaner Nobuyoshi Araki (*1940) zählt zu den wohl produktivsten, aber auch provokativsten Fotografen unserer Zeit. Seit den 1960er-Jahren eignet sich Araki die ihn umgebende Welt täglich und obsessiv mit Hilfe der Kamera an, eine Aneignung, die bis heute in fast 500 Büchern Niederschlag gefunden hat. Sein künstlerisches Werk umspannt ein vielfältiges Spektrum an Themen, von hocherotischen Frauendarstellungen, die international großes Aufsehen erregten, über artifizielle Stillleben, Pflanzenfotografien, reportagehaft anmutende Alltagsdarstellungen und Architekturaufnahmen bis hin zu sehr persönlichen, fast tagebuchartigen Fotografien von sich und seiner früh verstorbenen Frau Yoko.

2004 konnte mit Unterstützung von PIN. Freunde der Pinakothek der Moderne die Originalvorlage von Arakis Buch "Tokyo" erworben werden. Bestehend aus 28 exquisiten Diptychen zählt "Tokyo" zu den frühesten eigenständigen Buchprojekten Arakis und erschien 1973 in kleiner Auflage, eingeleitet durch einen Text von Kōji Taki, dem legendären Gründer der avantgardistischen Zeitschrift "Provoke". "Tokyo" steht am Beginn der intensiven, bis heute andauernden Auseinandersetzung Arakis mit dem Lebens- und Stadtraum seiner Heimatstadt.

In dieser frühen, konzeptuell ausgerichteten Arbeit kombiniert der Künstler Momentaufnahmen namenloser Passanten, die er an belebten Straßenkreuzungen beobachtete, mit den anspielungsreichen erotischen Selbstinszenierungen einer jungen Frau. Die Kombination aus schnappschussartigen Straßenfotografien und den Aufnahmen eines in zunehmend eindeutigen Posen in Szene gesetzten Frauenkörpers bedeuten für Araki bis heute die adäquate Form, Tokio zu beschreiben, eine Verbindung, die sein gesamtes fotografisches Werk kennzeichnet. Die Gegensätze zwischen anonym und vertraut, bekleidet und nackt wie Innen- und Außenwelt fungieren als subtile Verweise auf die Trennung zwischen öffentlicher und privater Lebenswelt, zwischen Traum und Wirklichkeit. Die Passanten erscheinen wie der Betrachter in der Rolle der anonymen Zuschauer und dringen zugleich in die verborgene Sphäre einer sich der Überwachung und Normierung entziehenden Stadt ein.

Die Ausstellung führt erstmals die nur als Unikat existierende "Tokyo"-Serie mit weiteren ikonischen Arbeiten aus dem Frühwerk zusammen. Neben umfänglichen Serien wie "The Past" (1972) und "The Days We Were Happy" (1972) sind die äußerst seltenen "Xerox Photo Alben" sowie lange vergriffene Künstlerbücher Arakis aus den frühen 1970er-Jahren zu sehen, die verschiedene europäische Sammlungen als Leihgaben zur Verfügung gestellt haben. Mehr als vierzig Jahre nach dem ersten Erscheinen wird "Tokyo" in einer bibliophilen Monographie nochmals publiziert, ergänzt mit dem erstmals auf Deutsch und Englisch verfügbaren Essay von Kōji Taki sowie Beiträgen von Yasufumi Nakamori und Inka Graeve Ingelmann.


Araki. Tokyo
Sammlung Moderne Kunst
26. Oktober 2017 bis 4. März 2018
Eröffnung: 25. Oktober 17, 19 Uhr

Porträt Nobuyoshi Araki, 1985; Courtesy of Yoshiko Isshiki Office, Tokio
Ohne Titel, 1971, aus: Tokyo, 1973. Silbergelatineabzug, 8,5 x 13 cm; Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Sammlung Moderne Kunst in der Pinakothek der Moderne, München, 2004 erworben von PIN. Freunde der Pinakothek der Moderne (GV 162). © Nobuyoshi Ara
Ohne Titel, 1971, aus: Tokyo, 1973. Silbergelatineabzug, 8,5 x 13 cm; Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Sammlung Moderne Kunst in der Pinakothek der Moderne, München, 2004 erworben von PIN. Freunde der Pinakothek der Moderne (GV 162). © Nobuyoshi Ara
Ohne Titel, 1971, aus: Tokyo, 1973. Silbergelatineabzug, 8,5 x 13 cm; Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Sammlung Moderne Kunst in der Pinakothek der Moderne, München, 2004 erworben von PIN. Freunde der Pinakothek der Moderne (GV 162). © Nobuyoshi Ara
Ohne Titel, 1971, aus: Tokyo, 1973. Silbergelatineabzug, 8,5 x 13 cm; Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Sammlung Moderne Kunst in der Pinakothek der Moderne, München, 2004 erworben von PIN. Freunde der Pinakothek der Moderne (GV 162). © Nobuyoshi Ara