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Crossing the line. Von der Überwindung der Zweidimensionalität

Nov 25, 2016 bis Dez 22, 2016

tn Die kommende Ausstellung in der Galerie.Z wird von Stefan Waibel kuratiert, der spätestens seit seiner groß angelegten Installation im Kunstraum Dornbirn vor zwei Jahren einer breiten Öffentlichkeit ein Begriff sein wird. Neben Christian Stock und Marck wird er auch mit eigenen Arbeiten vertreten sein. In "Crossing the line", so der Titel der Ausstellung, setzen sich die drei Künstler mittels ihrer bevorzugten Ausdrucksweise mit der Erweiterung der Zweidimensionalität hin zur Dreidimensionalität auseinander. Gemeinsamer Ausgangspunkt ist dabei jeweils die Zeichnung.

Stefan Waibel fand über mehrere Umwege, die sich in so unterschiedlichen Beschäftigungen wie Billiardspieler oder Sozialarbeiter widerspiegeln, zur Kunst. An der Akademie der bildenden Künste in Wien studierte er bei Arik Brauer, bei Sue Williams legte er sein Diplom ab. Mehrheitlich widmet er sich in seinen Arbeiten der Gegensätzlichkeit von Natur und Kultur bzw. von Natürlichkeit und Künstlichkeit. Als auf die Spitze getrieben rangiert darunter - nicht zuletzt wegen des Ausmaßes und des technischen Aufwands- die raumgreifende Installation "ideal nature machine" von 2014 im Kunstraum Dornbirn. Der höchst artifizielle Illusionsraum gaukelte den Betrachtern die Schablone einer Blumenwiese vor, wie sie in der Realität allerdings nicht existiert.

Als Material verwendete er dabei hauptsächlich Draht, worauf er in der aktuellen Präsentation wiederum zurückgreift. Damit übersetzt er nämlich die als Vorlage dienenden "timerythm" - Zeichnungen in dreidimensionale Wandskulpturen. Seismographisch genau hat er zuvor mit Kohle auf Papier die Ausschläge festgehalten, wie sie den Schwankungen seiner gemütsmäßigen Verfasstheit über einen bestimmten Zeitraum entsprachen. Dabei stellte er fest, dass nicht immer die großen Ausschläge oder Ereignisse ein entsprechendes Ergebnis garantieren. Vielmehr erkannte er die Bedeutung der Kontraste, des Rhythmus' von dichteren und aufgelockerteren Passagen sowie die Qualität von Chaos und Zufall. Überdies wurde ihm die Relativität von Zeit bewusst, womit der Entschluss für das Beenden einer Arbeit sowie für einen Neubeginn eng zusammenhängt.

Christian Stock aus Tux in Tirol und ebenso Absolvent der Akademie der bildenden Künste in Wien, Malerei bei Arnulf Rainer, war in den vergangenen Jahren mit für ihn sehr typischen Arbeiten mehrfach in der Galerie Feurstein präsent. Stefan Waibel hat mit ihm einen ideal zum Thema passenden Mitstreiter gewählt, weil die Ausdehnung des Zweidimensionalen auf das Dreidimensionale in Stocks gesamten Oeuvre als der zentrale Inhalt angesehen werden kann. Prominent im Vordergrund steht dabei ein schwarzes Quadrat, das zwangsläufig mit Kasimir Malewitschs berühmten Schwarzen Quadrat assoziiert wird. Der mit wohltuend bodenständiger und unprätentiöser Art ausgestattete Künstler ist sich dessen bewusst und nimmt es gelassen mit Tiroler Humor.

Denn seit 1983 pinselt er schwarze Farbe auf quadratische Blätter. Immer und immer wieder legt er sie übereinander, Schicht auf Schicht, sodass unaufhaltsam das Zweidimensionale zum Dreidimensionalem anwächst. Auf dieser simplen, repetitiven Handlung fußen seine so entstehenden raumerobernden Würfelbilder, die eine Art sui generis darstellen und sich somit weder dem berühmten Vorbild anbiedern noch unterordnen. Variationen schwarzer Quadrate, wie er sie auch jenseits des Würfels in die dritte Dimension führt, zeigt er in der neuen Ausstellung.

Mit Marck holt sich Stefan Waibel einen Quereinsteiger ins Trio. Der in Zürich geborene und arbeitende Marck bewegte sich anfangs in der lokalen Musikszene, wo er in mehreren Bands mitwirkte und multimediale Rockkonzerte organisierte. Fasziniert von mechanischen Objekten widmete er sich in der Folge diesem Medium und begann, seine Kreationen auszustellen. Seit seiner Ausbildung zum Mediendesigner und Multimediaproduzenten reüssiert er mit seinen Videoskulpturen auf Kunstmessen in New York, Miami, Istanbul, Seoul, Basel, London und Wien.

Wie Christian Stock setzt er regelmäßig auf das Stilmittel der Wiederholung, um die Eindrücke bei den Betrachtern zu verstärken. Häufig spielen in seinen Videos mit kurz geloopten Sequenzen leicht bekleidete oder nackte Frauen, die sich in einem beengenden Raum wie einer Kiste oder einer Badewanne oder ganz allgemein in Bedrängnis befinden, die Hauptrolle. Weil er an reinen Videoinstallationen die emotionale Ebene vermisste, greift er über den Inhalt der Filme in die dritte Dimension hinaus.

In seinem Beitrag "Drahtseilsakt", den er in der Ausstellung zeigen wird, führt er dies überzeugend vor. Die Rollenzwänge von Frauen, die er häufig in seinen Werken thematisiert, visualisiert er darin auf eine spielerische und gleichzeitig eindringliche Art und Weise. Die Kombination von einer langen Bahn mit szenischen Zeichnungen und einer Frauenfigur, die an einem Drahtseil hängend von einer antiquiert anmutenden Apparatur manövriert wird, evoziert definitiv gemischte Gefühle.


Crossing the line
25. November bis 22. Dezember 2016

Marck: Der Drahtseilakt, 2012
Christian Stock: flipbook black square, 2016
Stefan Waibel: time rhythm