Aargauer Kunsthaus

Aargauerplatz
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Ding Ding

Aug 28, 2016 bis Jan 8, 2017

tn Die Ausstellung "Ding Ding" im Aargauer Kunsthaus beleuchtet die Vielfalt der Objektkunst von den 1930er-Jahren bis heute. Zwischen Sockeln, Boden und Wand entspinnt sich eine verspielte Welt der Dinge: Fundstücke, Miniaturen, kinetische und surrealistische Objekte, Imitationen und Assemblagen greifen ineinander und machen die verschiedenen Ausprägungen der Objektkunst sichtbar. Schlüsselwerke und überraschende Trouvaillen aus der Sammlung werden mit ausgewählten Leihnahmen ergänzt.

Seit jeher üben Objekte eine magische Anziehungskraft auf die Menschen aus. Sei es eine Heiligenreliquie, die verehrt wird oder ein Natur-Fundstück, das als Glücksbringer Verwendung findet – stets ist es das Subjekt, welches dem Objekt seine Bedeutung zuschreibt. Was geschieht also nun, wenn ein profanes Alltagsobjekt in ein künstlerisches Umfeld transferiert und damit seiner ursprünglichen Funktion entledigt wird? Die reine Ästhetik des Gegenstands rückt in den Vordergrund. Die Aufmerksamkeit verschiebt sich auf die Formgestalt und Materialbeschaffenheit, was neue Perspektiven und Assoziationen zulässt.

In der Ausstellung zeigt sich das Spannungsfeld zwischen Ding- und Kunstwirklichkeit u.a. bei der Betrachtung der Arbeiten von Franz Eggenschwiler (1930–2000), Peter Storrer (*1928) und Urs Lüthi (1947*): Die Einführung von Alltags- und Nutzobjekten in den Ausstellungskontext legen eine neue Rezeption nahe, welche die Alltagswaren nach künstlerischen Kriterien betrachten. Im Gegenzug gelingt es Kunstschaffenden wie Clare Kenny (*1976) oder dem bekannten Künstlerduo Fischli/Weiss (Peter Fischli (*1952)& David Weiss (*1946–2012)), reale Naturerscheinungen und Industrieprodukte mit den Mitteln der Kunst nachzuahmen und als verblüffende Illusion wiederzugeben.

Dienten den Kunstschaffenden bis Anfang des 20. Jahrhunderts Natur- und Alltagsobjekte vornehmlich als Vorlage für Material- und Formstudien, so radikalisierte der Künstler Marcel Duchamp 1914 den bis dahin geltenden Kunstbegriff, indem er einen gefundenen Gegenstand – ein "objet trouvé" – signierte, auf einen Sockel stellte und damit zum eigenständigen Kunstwerk, dem sogenannten "Ready-made" erhob. Seither hat sich die Objektkunst mannigfaltig entwickelt. Die Montage und Weiterverarbeitung von Alltagsdingen wie Kleidern, Instrumenten, Geschirr- oder Möbelstücken thematisiert die Ausstellung u.a. anhand der Materialcollagen von Peter Green (*1938), den Fallenbildern von Daniel Spoerri (*1930), den Skurrilitäten von Christian Rothacher (1994 – 2007), sowie den kinetischen Skulpturen von Peter Fischer (*1968) und Roman Signer(*1938).

Grosszügig und raumgreifend bespielen Arbeiten von Peter Brunner-Brugg (*1946), Heinz Reifler (1940 – 2013) und Maia Aeschbach (1928 – 2015) die Wand- und Ausstellungsflächen. Hängend, auf Sockeln oder in Setzkästen, bestücken surrealistische und geheimnisvoll anmutende Artefakte von Meret Oppenheim (1913 - 1985), Eva Wipf (1929 – 1978) André Thomkins (1930 – 1958), Ben Vautier (*1935), Guido Nussbaum (*1948) oder Ugo Rondinone (*1946) die Ausstellung und erinnern – zwischen Empirie, Verehrungskult und Fetischismus – an die Ausstattung frühneuzeitlicher Wunderkammern.


Ding Ding
Objektkunst aus der Sammlung
28. August 2016 bis 8. Januar 2017

Hugo Suter: Architektur (5-teilig), 1974; Aargauer Kunsthaus, Aarau
Urs Frei: Ohne Titel, 1998. Aargauer Kunsthaus, Aarau; Anonyme Schenkung
Ugo Rondinone: the canyon, 2012. Aargauer Kunsthaus, Aarau; Schenkung Ugo Rondinone