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Gute Aussichten Deluxe

Jan 26, 2018 bis Mai 21, 2018

tn Die Ausstellung "Gute Aussichten Deluxe – junge deutsche Fotografie nach der Düsseldorfer Schule" resultiert aus der 13jährigen Arbeit für das Nachwuchsförderungs-Projekt "Gute Aussichten – junge deutsche Fotografie", das seit 2004 für seine inzwischen 122 Preisträger weltweit über 140 Ausstellungen organisiert hat. "Gute Aussichten Deluxe" in Hamburg präsentiert 25 neue, herausragende Positionen aus dem Kreis der Gute-Aussichten-Preisträger der Jahre 2004 bis 2015, deren künstlerisches Schaffen sich in dieser Zeit kontinuierlich weiter und beachtlich entwickelt hat.

Die Ausstellung "Gute Aussichten Deluxe – junge deutsche Fotografie nach der Düsseldorfer Schule" spiegelt den Fortbestand und Wandel des Mediums Fotografie in all seinen Facetten und bietet einen einzigartigen Überblick über eine Generation von jungen Fotografen, die das Primat der Düsseldorfer Schule hinter sich gelassen hat und sich visuell klar in der Gegenwart verortet.

So hat sich die zeitgenössische Fotografie vom reinen Abbild längst verabschiedet. Die durch die Düsseldorfer Schule postulierte Objektivität des Bildes ist – trotz oder gerade wegen der anhaltenden Bilderflut auf allen medialen Kanälen – dahin. Gesucht und untersucht wird von den jungen Talenten, welche Rolle die Fotografie im medialen Kanon der Bilder spielt und welche neuen Ausdrucks- und Erscheinungsformen man ihr entlocken kann.

Ausgehend von den Rändern der etablierten Fotografieerweitert sich so das zeitgenössische Bild in aktuelle mediale Ausdrucksformen. Die jungen Lichtbildner nutzen dafür alle Mittel der digitalen und analogen Bilderzeugung und -umsetzung, bedienen sich unterschiedlicher medialer Strategien ebenso selbstverständlich, wie sie mit Bewegtbildern, Sound und der Malerei hantieren oder sich mit ihren Werken installativ in den Raum bewegen.

Die Positionen, die "Gute Aussichten Deluxe" vorstellt, sprengen vielfach die Grenzen, die dem Medium Fotografie auferlegt scheinen. So entwickelt zum Beispiel der Berliner Fotokünstler Kolja Linowitzki für seine Serie "Digits of Light" kurzerhand sein eigenes Produktionsmittel, eine komplett selbst gebaute Apparatur zur Erzeugung von Bildern, die digitales Licht und analoge Belichtung zusammenführt. Jedes Bild ein Unikat, mit fast graphisch-malerischer Anmutung!

Bildgewordene Philosophie ließe sich Georg Brückmanns Serie "Kundmanngasse 19" nennen, die die permanente Selbstreferenz in der Philosophie des Denkers Ludwig Wittgenstein erkundet und visualisiert. Zu diesem Zweck hat Brückmann Räume eines von Wittgenstein mitgebauten Palais in Wien sowie Gegenstände fotografiert, über- oder bemalt, im kleineren Massstab zusammengebaut, mit Fotografien kombiniert und dann wieder alles neu ins Bild gesetzt. Dieses selbstreferenzielle Vorgehen zur Erzeugung eines einzelnen "Interieurs" belegt und hinterfragt gleichzeitig die Konstruktion von Bildern, von Wahrnehmungen und Wahrheiten.

Was mit ganz alltäglichen Gegenständen, wie einer Krawatte, einer Orange oder einem Schwimmflügel geschieht, wenn sie, ihrer ursprünglichen Funktion enthoben, in einen anderen Kontext gesetzt werden, demonstriert Claudia Christoffel in ihrer Serie "FUN-GHB-EAT": Wozu kann ein Schwimmflügel beim Sex dienen (FUN)? Kann eine Orange als Folterwerkzeug missbraucht werden (GHB?) Ist eine Krawatte einfach nur ein Kleidungsstück (EAT)?

Um die Funktionalität und den Stellenwert des Mediums Fotografie im digitalen Zeitalter geht es Sarah Strassmann in ihrem Forschungsprojekt "Expanded Pictures". Erzeugung, Bearbeitung und Distribution von Bildern sind dank Handykamera, Internet und Social Media so selbstverständlich wie allgegenwärtig geworden. Ein bevorzugtes Sujet ist dabei das Selfie: DAS zeitgenössische Medium der Selbstinszenierung, dessen Bild zwar individuell erscheint, aber einem Archetypus entspricht. Es geht somit viel weniger um das Foto als Abbild des Selbst, als um den Vorgang des Fotografierens an sich, der, frei nach René Descartes "cogito ergo sum", besagt: ICH bin (da). Fotografieren im digitalen Zeitalter wird damit allem voran zu einer (sozialen) Handlung, die zur Bespielung der digitalen Kanäle wie Facebook, Instagram oder Snapchat dient.

Der Themenreigen der teilnehmenden jungen Talente umgreift zudem die Auseinandersetzung mit Architektur, Erinnerung und Erinnerungskonstruktion, klassische Sujets wie Portraits oder Stillleben, untersucht die visuellen Inszenierungstechniken rechter Parteien in Europa oder definiert die klassische Reportage-Fotografie neu. Dabei setzen die Fotografen in einer Zeit, die allgegenwärtig von Fake-News betwittert wird, immer wieder konzentrierte Akzente mit Bildern von überraschender Schlichtheit, Poesie und elementarer Lebensverbundenheit.

Mit ausgezeichneten Werken der Preisträger Nadja Bournonville, Georg Brückmann, Claudia Christoffel, Monika Czosnowska, Felix Dobbert, Sonja Kälberer, Katrin Kamrau, Kolja Linowitzki, Tamara Lorenz, Marian Luft, Sara-Lena Maierhofer, Thomas Neumann, Nicolai Rapp, Jewgeni Roppel, Rebecca Sampson, Helena Schätzle, Luise Schröder, Stefanie Schroeder, Sarah Straßmann, Stephan Tillmans, Markus Uhr, Anna Simone Wallinger, Christina Werner und Maja Wirkus.


Gute Aussichten Deluxe
Junge deutsche Fotografie nach der Düsseldorfer Schule
26. Januar bis 21. Mai 2018

Felix Dobbert: Some Flowers. © Felix Dobbert
Georg Brückmanns: Kundmanngasse 19. © Georg Brückmanns
Anna Simone Wallinger: Sodade. © Anna Simone Wallinger
Sarah Strassmann: Ein Scatterface aus Expanded Pictures. © Sarah Strassmann
Claudia Christoffel: FUN-GBH-EAT. © Claudia Christoffel
Jewgeni Roppel: Svetloyar. © Jewgeni Roppel
Monika Czosnowska: Eliten. © Monika Czosnowska