Galerie Feurstein

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Feldkircher Galerie Feurstein thematisiert "Farbiges Grau"

Okt 15, 2016 bis Nov 16, 2016

tn Der französische Maler Paul Cézanne (1839-1906) hat einmal gesagt, "solange man nicht ein Grau gemalt hat, ist man kein Maler". Farbsystematisch gesehen gilt Grau als die Nicht-Farbe par excellence. Sie kann allerdings nicht nur durch die Mischung von Schwarz und Weiss, sondern auch von bunten Farben mit ihren Gegenfarben im Farbkreis erzeugt werden. Grau neutralisiert also Farbe und steht daher für einen farblichen Nullpunkt, andererseits ist das konkrete Grau zugleich auch immer etwas ganz anderes als die Abwesenheit von Farbe. Grau ist folglich ein Nichts, dass das Auge für Farbe sensibilisiert. Es entzündet Farbe aus dem Nirgendwo heraus.

Aber nicht nur die bildende Kunst, auch der sprachliche Alltag ist geprägt von Redewendungen, die das Wort "grau" enthalten. So spricht man etwa von einer "grauen Emminenz", wenn jemand seine Einflüsse unauffällig im Hintergrund ausspielt, oder von einer "grauen Maus", wenn von einer unauffälligen, schüchternen Person die Rede ist. Auch Dichterzitate mit "grau" gibt es, zum Beispiel in Goethes Faust: "Grau, teurer Freund, ist alle Theorie, und grün des Lebens goldner Baum."

Dass das eingangs erwähnte Zitat von Cézanne durchaus seine Richtigkeit hat, kann in der thematischen Ausstellung "Farbiges Grau", die die Galerie Feurstein in Feldkirch ausrichtet, in den nächsten Wochen überprüft werden. Galerist Günter Feurstein hat praktisch keine Kunstschaffenden im Repertoire, die sich nicht schon in irgendeiner Form mit der "Nicht"-Farbe "Grau" beschäftigt hätten.

In der Ausstellung wird dies etwa durch Werke der Vorarlberger KünstlerInnen Manfred Egender, Doris Fend, Carmen Pfanner und Karl-Heinz Ströhle, durch Beiträge der deutschen Kunstschaffenden Helmut Dirneichner, Edda Jachens, Thomas Dyle, Rosa M. Hessling, Otto Reisperger, und Dirk Salz sowie durch den aus dem Tirol stammenden Christian Stock belegt. Ergänzt werden diese von der Galerie vertretenen Positionen durch Gäste wie etwa Markus Strieder (Tirol), Thomas Bohle (V) sowie der 1937 in Kansas geborenen Amerikanerin Max Cole. Die Gemälde und Zeichnungen von Letzterer zum Beispiel beruhen fast alle auf einem subtilen Schwarz-Weiss-Kontrast und abgestuften Grauwerten. Kräftige horizontale Bänder werden ausbalanciert durch meist kleine, kurze vertikale Striche, die wie in sich strukturierte Bänder das Bild beherrschen.

Odere der abwechselnd in Leipzig und Berlin lebende Österreicher Otto Reitsperger hat wiederum mit "trompe-l’œil" eine geschlossene Bildserie zur Farbe Grau entwickelt. Eine Art "Farbenfest" in Grau. In einer Art von sinnlichem Prozess trägt Reitsperger dabei breite Streifen in abwechselnd warm- und kaltgrauen Farbton auf die Leinwand auf. Im noch feuchten Zustand erfolgt dann eine Verwischung der senkrechten Farbstreifen durch waagerechte Pinselbahnen. Durch Überlagerung der konträren Grautöne entsteht eine wellenartige Flächenstruktur. In einem zweiten Schritt, dem Aufbringen der Rahmenformen, liegt dagegen ein rationales Konzept zugrunde. Hierbei entwickelt Reitsperger das Mass und die Form am Computer. Erst in der gekonnten Zusammenführung von sinnlicher Malerei und kalkulierter Form entsteht aus Einzelteilen ein neues Ganzes. Ein Ganzes in Grau.


Farbiges Grau
15. Oktober bis 16. November 2016

Helmut Dirnaichner
Otto Reitsperger
Max Cole