Museum der Moderne Mönchsberg

Mönchsberg 32
A - 5020 Salzburg

T: 0043 (0)662 842220-403
F: 0043 (0)662 842220-700

E: info@museumdermoderne.at
W: http://www.museumdermoderne.at/


weitere Ausstellungen

Anti : modern

Jul 23, 2016 bis Nov 6, 2016

tn Ist Salzburg tatsächlich antimodern, wie immer wieder behauptet wird? Von dieser vielleicht provokanten Frage ausgehend wird in einer groß angelegten und international besetzten Ausstellung auf zwei Ebenen im Haus am Mönchsberg ein differenziertes Bild der Moderne gezeichnet. Am Beispiel zahlreicher Ereignisse und Phänomene wird untersucht, inwieweit in der westlichen Region Österreichs ein weltoffenes und den modernen Lebensformen und Künsten aufgeschlossenes Denken vorhanden war oder ob dieses durch die politische Propaganda der 1930er-Jahre verschüttet wurde.

Die Ausstellung erstreckt sich auf einer Fläche von 1.700 qm, auf der eine große Fülle und Diversität von Exponaten und Materialien gezeigt werden. Entlang von sechs thematischen Schwerpunkten erfolgt eine differenzierte Auseinandersetzung mit der Moderne sowie mit dem Bild einer Antimoderne. Dabei beschäftigt sich die Ausstellung unter anderem mit verschiedenen Ausprägungen moderner Lebenswelten sowie den Bestrebungen der modernen und antimodernen Kunst.

Dem Exil als Bedingung der modernen Welt ist ein eigener Teil der Ausstellung gewidmet. Abschließend erfolgt eine Beschäftigung mit der Wiederaufnahme der Moderne nach dem Zweiten Weltkrieg. Ausgewählte Werke der Künstler_innen Alice Creischer/Andreas Siekmann, Renée Green, Hans Haacke, Oliver Ressler, Gerhard Richter, Isa Rosenberger und Franz West greifen die Themenfelder auf und sind den historischen Kunstwerken und Materialien zwischengeschaltet.

Das Bild der Stadt als Plattform für Modernität und Fortschritt wurde geprägt durch internationale Metropolen wie New York, Berlin, Paris oder Wien. Infolge der Stadterweiterung und der Eröffnung der Kaiserin Elisabeth-Bahn im 19. Jahrhundert war Salzburg zunehmend in das Geflecht europäischer Großstädte eingebunden. Damit wurde die Stadt für Zusammenkünfte internationaler Wissenschaftler_innen attraktiv, wie etwa den ersten Kongress von Psychoanalytikern im Jahr 1908, und es entstanden wissenschaftlich-familiäre Laboratorien wie jene der Familie Exner.

Als zentraler Impulsgeber für die Künste im nationalen und internationalen Kontext gilt die Gründung der Salzburger Festspiele. Daneben gibt es aber auch weniger bekannte und durchaus überraschende Beispiele kultureller Initiativen der 1920er-Jahre, wie etwa die Internationale Gesellschaft für Neue Musik oder die Elizabeth und Isadora Duncan-Schule. Im Wirken von Künstlergruppen und engagierten Frauen in Salzburg zeigen sich fortschrittliches Denken und Demokratisierungsprozesse. Doch auch konservative und traditionsbewusste Tendenzen und die Instrumentalisierung der Künste in den 1930er-Jahren sind Teil der Ausstellung. Auslöschung, Vertreibung und Formen des ästhetischen und politischen Exils nehmen eine wichtige Rolle ein.

Die Ausstellung endet mit der Wiederaufnahme der Moderne nach 1945: Wie konnte nach den Schrecken des Krieges ein Neubeginn aussehen? Antworten suchten unter anderen die 1955 in Kassel gegründete documenta und die in Salzburg bereits im Jahr 1953 gegründete Internationale Sommerakademie für Bildende Kunst Salzburg: 18 Jahre nach der Ausstellung "Entartete Kunst" und ihrem Gegenüber, die "Große Deutsche Kunstausstellung", präsentierte der Akademieprofessor Arnold Bode im notdürftig instand gesetzten Museum Fridericianum die von den Nationalsozialisten diffamierte moderne Kunst und ließ Deutschland damit wieder in einen Dialog mit dem internationalen Kunstgeschehen treten. Acht Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges konnte der im Schweizer Exil lebende Künstler Oskar Kokoschka als Leiter der Salzburger Sommerakademie gewonnen werden, heute die älteste ihrer Art in Europa.


Zur Ausstellung erscheint der wissenschaftliche Begleitband "Anti : modern. Salzburg inmitten von Europa zwischen Tradition und Erneuerung", herausgegeben von Sabine Breitwieser für das Museum der Moderne Salzburg. Mit Texten von Hildegund Amanshauser, Sabine Breitwieser, Deborah R. Coen, Elizabeth Cronin, Karl Fallend, Roman Höllbacher, Claudia Jeschke, Oliver Rathkolb, Birgit Schwarz, Michael P. Steinberg, Monika Voithofer und Beatrice von Bormann. Deutsche Ausgabe, gebunden, 163 x 235 mm, ca. 300 Seiten, broschiert, ISBN: 978-3-7774-2696-9, Hirmer Verlag.

Anti : modern
Salzburg inmitten von Europa zwischen Tradition und Erneuerung
23. Juli bis 6. November 2016

Lothar Rübelt: Der Salzburger Landeshauptmann Franz Rehrl (am Steuer) und der Erbauer der Großglockner Hochalpenstraße Franz Wallach in einem Steyr 100, 1934. © Fotosammlung des Bundes am Museum der Moderne Salzburg / © Bildrecht, Wien
Gustav Klimt: Landschaft mit Birke, um 1903. Öl auf Karton; © Museum der Moderne Salzburg, Dauerleihgabe aus Privatbesitz
Errichtung des Wasserkraftwerks Kaprun, um 1940. Schwarz-weiß Fotografie; © Sammlung Verbund, Bildarchiv
Hans Haacke Fotonotizen, documenta 2, 1959. 1 von gesamt 26 schwarz-weiß Fotografien; © Hans Haacke / VG Bild-Kunst. Courtesy Hans Haacke und Paula Cooper Gallery, New York
Franz West: Psyche, 1987. Spiegel, Stahl, Teppich, Eisen, Holz; Sammlung Grässlin, St. Georgen. © Sammlung Grässlin, St. Georgen, Foto: Wolfgang Günzel