Aargauer Kunsthaus

Aargauerplatz
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Andriu Deplazes im Aargauer Kunsthaus

Jan 27, 2018 bis Apr 15, 2018

tn Die Malerei von Andriu Deplazes (*1993 in Zürich) ist ein sinnliches Erlebnis. Die leuchtenden, manchmal auch grellen Farben wirken kennzeichnend für unsere von künstlichen Bildern geflutete Gegenwart. Die Protagonisten von Andriu Deplazes' Gemälden scheinen jedoch aus einer Parallelwelt zu stammen, oft umgeben von Reminiszenzen an die Kunstgeschichte.

Die Figuren, die Andriu Deplazes' Bilder bevölkern, sind nicht leicht zu fassen. Ihre Anatomie wirkt vertraut. Trotzdem unterscheiden sie sich von uns mit ihren überlangen Beinen, den kahlen Köpfen und der rosafarbenen, orange leuchtenden bis gelblichen Haut. Sie repräsentieren keinen gängigen Menschentypus, sondern bleiben mehrdeutig, noch lassen sie sich mit endgültiger Gewissheit einem bestimmten Geschlecht zuordnen. In ihrer Nacktheit wirken sie zuweilen abstossend, gleichzeitig aber auch schutzlos und rufen in ihrer Unbedarftheit Mitgefühl hervor. Warum berühren oder gar beunruhigen uns Andriu Deplazes' Protagonisten? Vielleicht, weil sie uns doch nicht so fremd, ja, eben gerade noch ähnlich genug sind, damit wir uns mit ihnen identifizieren können?

Deplazes Figuren verlangen nach viel Aufmerksamkeit. Das ist mitunter einen Grund dafür, dass die von ihnen bewohnte Landschaft erst zu einem späteren Zeitpunkt Beachtung findet. Es sind oft paradoxe Vegetationen: Zum Beispiel spriessen inmitten einer Einöde (Körper und Hund, 2017) leuchtend rote Blüten oder wachsen futuristisch anmutende Pflanzen aus einem irdischen Blumenflor ins Weltall hinaus (Ohne Titel (aus der Trilogie Nacht), 2017). Schönheit und Zerstörung liegen dabei immer ganz nahe beieinander, gehen ineinander über oder sorgen für einen Bruch im Bild.

Die Malerei ist Andriu Deplazes Mittel, diesen eigenen Kosmos entstehen zu lassen. Auch berühmte Motive der Kunstgeschichte scheut der junge Künstler dabei nicht. Denn wer sagt, dass der Seerosenteich ausschliesslich Claude Monet (1840 – 1926) oder die Sonnenblumen einem Vincent van Gogh (1853 – 1890) vorbehalten sind? Anhand durchdachter Farbkompositionen und der Kombination mit seinen Figuren wirken diese altbekannten Sujets erstaunlich frisch und wie für die heutige Zeit geschaffen.

Andriu Deplazes' Bilder lassen viele Assoziationen zu. Sie geben Denkanstösse, verweigern sich aber einer lückenlosen Narration. Die Bezeichnung der Figuren als "Körper" lässt ihre definitive Identität offen und fordert die Betrachtenden auf, sich eigene Gedanken über deren Beschaffenheit zu machen. Das Bild soll immer auch als Malerei – mit ihrer Farbe und Textur – sprechen, ohne zugleich eine eindeutige Erzählung wiederzugeben. Das Dargestellte bleibt nicht nebensächlich, aber eben nur ein Teil von Deplazes' künstlerischem Universum.

Die Ausstellung in der Reihe "Caravan" im Aargauer Kunsthaus ist die erste institutionelle Einzelausstellung des Künstlers.


Andriu Deplazes
27. Januar bis 15. April 2018

Körper und Baum, 2017. Öl auf Leinwand, 105 x 170 cm
Körper und Hund, 2017. Öl auf Leinwand, 165 x 200 cm
Ohne Titel (aus der Trilogie Nacht), 2017. Öl auf Leinwand, 170 x 120 cm
Kletternde, 2017. Öl auf Leinwand, 50 x 40 cm