Graphische Sammlung der ETH

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Architektur als Bild

Aug 17, 2016 bis Okt 16, 2016

tn In seiner "Sammlung architektonischer Entwürfe" vereint der grosse Architekt Karl Friedrich Schinkel (1781-1841) gekonnt Zeichnungskunst und Architektur. Als Werber in eigener Sache erreichte er mit den kunstvoll inszenierten Bauentwürfen bereits zu Lebzeiten europaweite Ausstrahlung.

Karl Friedrich Schinkel war ein einflussreicher Architekt des 19. Jahrhunderts, der mit verschiedenen Bauten wie der Neuen Wache, dem Schauspielhaus und der Bauakademie das Stadtbild von Berlin Mitte prägte. Er war darüber hinaus ein bedeutender Vertreter des Klassizismus in Preussen und wurde zum Namensgeber einer ganzen Generation von Architekten, der sogenannten Schinkelschule.

Schinkel verschaffte sich jedoch nicht nur als Architekt einen klingenden Namen, sondern auch mit der Publikation seiner "Sammlung architektonischer Entwürfe". Die "Sammlung" wurde ab 1819 in mehreren Auflagen bis an sein Lebensende veröffentlicht und genoss weit über seinen Tod hinaus grossen Anklang. Sie diente seinen Ideen und seinen Werken als Werbeträger.

Schinkel liess die von ihm gezeichneten Bauentwürfe durch verschiedene Künstler radieren und gab sie fortlaufend in Lieferungen heraus. Die insgesamt 28 Teillieferungen bestanden in der Regel aus sechs Tafeln und einem ein- bis zweiseitigen Erläuterungstext. Das Reizvolle an seiner "Sammlung" ist, dass die insgesamt 174 Radierungen nicht nur Entwürfe von später umgesetzten Werken, sondern auch nie ausgeführte Alternativ- und Musterentwürfe des Baumeisters zeigen. Diese ermöglichen einen intimen und einmaligen Einblick in das Schaffen und Denken des Architekten.

Die periodischen Lieferungen hatten zudem den Vorteil, fast zeitgleich mit dem Bauprozess auch eine bildliche Form der Publikation seiner Architektur zu ermöglichen. Sie wurde von den am öffentlichen Bauen interessierten Publikum und der Presse mit Neugierde studiert.

Schinkels Entwürfe, bei denen die Neue Wache in Berlin den Auftakt bildet, begeistern durch ihre filigrane Klarheit und hohe Qualität in der Bildgestaltung. Kalkuliert setzt Schinkel seine Werke ins Bild und arrangiert die verschiedenen Ansichten wie Grundriss, Querschnitt, Gesamt- oder Frontalansicht mit Detailabbildungen zu einem Gesamtkunstwerk. Um die Entwürfe zusätzlich zu beleben, integrierte er Brunnen, Figuren und Bäumen in die Umgebung seiner Bauwerke.

Die Graphische Sammlung zeigt in ihrer Ausstellung eine Ausgabe der "Sammlung architektonischer Entwürfe" von 1858. Die ausgewählten Exponate geben einen reichhaltigen Einblick in das Schaffen des grossen Architekten und machen deutlich, wie kunstvoll er seine Entwürfe inszeniert hat.


Architektur als Bild
Karl Friedrich Schinkels' "Sammlung architektonischer Entwürfe"
17. August bis 16. Oktober 2016

Nach Karl Friedrich Schinkel (1781-1841): Perspektivische Ansicht des neuen Schauspielhauses zu Berlin, Blatt 7 aus der 'Sammlung architektonischer Entwürfe', Ausgabe von 1858; Graphische Sammlung ETH Zürich
Nach Karl Friedrich Schinkel (1781-1841): Perspektivische Ansicht aus dem Zuschauerraum auf die Bühne des Schauspielhauses in Berlin, Blatt 14 aus der 'Sammlung architektonischer Entwürfe', Ausgabe von 1858; Graphische Sammlung ETH Zürich
Nach Karl Friedrich Schinkel (1781-1841): Perspektivische Ansicht des Gebäudes der neuen Bauschule in Berlin, Blatt 115 aus der 'Sammlung architektonischer Entwürfe', Ausgabe von 1858; Graphische Sammlung ETH Zürich
Nach Karl Friedrich Schinkel (1781-1841): Perspektivische Ansicht des Äusseren der Kirche auf dem Werderschen Markt in Berlin, Blatt 85 aus der 'Sammlung architektonischer Entwürfe', Ausgabe von 1858; Graphische Sammlung ETH Zürich