Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

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Arbeit/Freizeit bei J. Hamann

Jul 22, 2016 bis Jan 22, 2017

tn Freizeit, im modernen Sinne als arbeitsfreie Zeit verstanden, und die damit einhergehende Trennung der Bereiche Arbeit und Freizeit entwickeln sich erst mit der Industrialisierung. Sie prägen das Motivspektrum des Ateliers J. Hamann, das den Alltag oft mit einem besonderen Gespür für situativen Humor festhält und so ein lebendiges Bild von Hamburg Anfang des 20. Jahrhunderts skizziert.

Die Ausstellung zeigt 60 historische Abzüge und vermittelt parallel zur Ausstellung "sports|no sports" einen Eindruck vom Arbeits- und Vereinslebens in der Hansestadt.

Johann Hamann und sein Sohn Heinrich dokumentieren die Arbeitsbedingungen ihrer Zeit: Kinderarbeit auf dem Land, Arbeit in einem modernen Schlachthof, Büroarbeit in einem Kontorhaus. Sie porträtieren die Angestellten der Schifffahrtsunternehmen und, im Auftrag der Reederei Hapag Lloyd, die Kapitäne ebenso wie die Emigranten in den Auswandererhallen auf der Hamburger Elbinsel Veddel, von wo aus die europäischen Wirtschaftsflüchtlinge nach Übersee aufbrechen.

Parallel zur Arbeit wird auch die Freizeit organisiert. Mit dem Achtstundentag, um den seit 1860 gekämpft wird, und der Einführung des freien Samstagnachmittags, gilt es, die Freizeit sinnvoll zur Erholung und zum Ausgleich zu nutzen. Kritiker wie Theodor W. Adorno sehen im spätindustriellen Zeitalter die Freizeit als "Zwang, sich zu zerstreuen und zu erholen, als ein Teil der Notwendigkeit, die Arbeitskraft wiederherzustellen, die sie in dem entfremdeten Arbeitsprozess verausgabten."

Das Atelier J. Hamann fotografiert im Gleichtakt turnende Frauen, arrangiert Pyramiden von Sportlern, begleitet die Ausflüge der Turnvereine und illustriert Sportarten wie Stabhochsprung, das schwedische Turnen und die Körperarbeit am Barren und Bock.

Die Ausstellung gibt Einblick in den Nachlass von Johann Hamann (1859-1935), der 1889 im Hamburger Gängeviertel sein erstes Tageslicht-Atelier eröffnet und es ab 1900 gemeinsam mit seinem Sohn Heinrich Hamann (1883-1975) betreibt. Das MKG erwarb 1993 und 1994 einen Bestand von rund 2200 Aufnahmen.


Arbeit/Freizeit bei J. Hamann
Die Sammlung Fotografie im Kontext
22. Juli 2016 bis 22. Januar 2017

Das Verziehen der Rüben, um 1900. Kollodiumabzug, 12 x 17,7 cm; © Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
Auftrieb von Schweinen, 1917. Silbergelatineabzug, 24,2 x 30,7 cm; © Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
Ballspiel der Damen des M.T.V., 1903. Silbergelatineabzug, 9 x 14 cm; © Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
Stabhochspringer, 1900-1905. Silbergelatineabzug. 9,3 x 12,2 cm; © Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
Kontor Kalender Rosenberg, 1911. Silbergelatineabzug, 24,4 x 30,2 cm; © Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg