Forum Würth Rorschach

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Waldeslust

Jan 26, 2015 bis Jan 22, 2017

tn Waldeslust! An Aussagekraft und damit verbundener Deutungsvielfalt kann den Wald so leicht kein Sujet der Kunstgeschichte überbieten. Als beliebter Schauplatz von Märchen war er bereits in unserer Kindheit ein unverzichtbarer Projektionsraum. Hier verirrten sich die meist jugendlichen HeldenInnen, begegneten ungewöhnlichen Geschöpfen, wurden verwandelt, verzaubert, verschlungen und bewährten sich schliesslich doch.

Die fantastischen Vorstellungen malender, schreibender und komponierender Romantiker begleiten auch den Menschen des 21. Jahrhunderts vielfach noch und haben sich in seinem Fühlen und Denken eingenistet. Gilt uns ein Waldspaziergang nicht immer noch als besinnliche Feiertagsentspannung? Im Laufe des 19. Jahrhunderts breiteten sich die romantischen Ideen so rasch und flächendeckend in der Bevölkerung aus, dass sie sogar die "wissenschaftliche Forstästhetik" erreichten: Der Wald entwickelte sich vom "wilden Draussen" zum Naturgenuss und schliesslich zum "städtischen Naherholungsgebiet" oder gar zum Stadtpark.

In der Ausstellung beschäftigt sich das Forum Würth Rorschach mit den vielfältigen kulturhistorischen Aspekten des Natur- und Waldbewusstseins. Das Spektrum reicht vom antikisch inspirierten Sehnsuchtsort des "Heiligen germanischen Hains", der im ausgehenden 19. Jh. als fiktiver Ursprungsmythos deutscher Kultur und Gegenbild einer materialistischen Gegenwart dienen soll, über die Waldromantik bis hin zu Vorstellungen vom Wald als finsterem Ort von Aussenseitern der vorindustriellen Gesellschaft. Diese haben sich beispielsweise im deutschen Märchen tradiert. Das der modernité (Charles Baudelaire) verpflichtete Phänomen des Stadtparks findet in der Ausstellung ebenso Berücksichtigung wie der verwandelte Wald der Surrealisten.

In den späten 1920er-Jahren machten Letztere im deutschen Wald bereits ihren "Gegner" aus – im visionären Vorgriff auf das, was Martin Heidegger dann 1951 mit Blick auf die seinerzeit jüngste Vergangenheit mit der Metapher der "Holzwege" beschreiben sollte, die sich in Desorientierung und Dunkel verloren hatten. Als künstlerisches Sujet wird der erbauliche Wald zu jener Zeit vorübergehend zur "No-go-Area". Erst als sich Mitte der 1970er-Jahre das Waldsterben zum viel diskutierten Thema entwickelt, gerät der Wald aus der emotionalen Tabuzone zurück ins Blickfeld. Das deutsche Wort "Waldsterben" wird sogar ins Englische übernommen.

Begriffe und Redewendungen wie "aus gutem Holz geschnitzt sein", "die Axt im Walde", "ein stämmiger Bursche", "der Apfel fällt nicht weit vom Stamm"," es ist etwas im Busch", "mit etwas verwurzelt" oder "stark wie ein Baum sein", sind nach wie vor geläufig. Sie zeigen den ungebrochen hohen Identifikationsgrad mit dem Baumbestand der heimischen Wälder. Mit rund 80 signifikanten Werken aus der Sammlung Würth, von Ernst Ludwig Kirchner bis Robert Longo, lädt die Ausstellung zum Spaziergang durch die sich immer wieder wandelnden künstlerischen Positionen zum Mythos Wald ein.


Waldeslust
Bäume und Wald in Bildern und
Skulpturen der Sammlung Würth
26. Januar 2015 bis 22. Januar 2017

Christo: Wrapped Tree, Project for the Museum Würth, Germany, 1994. Collage: Bleistift, Stoff, Schnur, Polyäthylen, Pastell, Kohle, Emaillack, brauner und grauer Karton; Sammlung Würth, Inv. 2601. Fotograf: André Grossmann, © Christo
Ernst Ludwig Kirchner: Waldinneres mit rosa Vordergrund, 1913/20. Öl auf Leinwand, 121 x 91,5 cm; Sammlung Würth, Inv. 4393 67,5 x 78,5 cm. Fotograf: Volker Naumann, Schönaich
Max Ernst: La forêt du somnambule, 1934. Öl, Gouache, Frottage auf Papier, auf Leinwand aufgezogen, 36 x 25,5 cm; Sammlung Würth, Inv. 4528. Fotograf: Volker Naumann, Schönaich; © 2015, ProLitteris, Zürich
Gunter Damisch: Zwei Stäbe, 1990. Öl auf Leinwand, 250 x 180 cm; Sammlung Würth, Inv. 3271. Fotograf: Philipp Schönborn, München
Alex Katz: Meadow 2, 2007. Öl auf Leinwand, 305 x 610 cm; Sammlung Würth, Inv. 14502. Fotograf: Paul Takeuchi; © 2015, ProLitteris, Zürich