Kirchner Museum Davos

Ernst Ludwig Kirchner Platz
CH - 7270 Davos Platz

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weitere Ausstellungen

Alles Kirchner! Das Museum als Wunderkammer

Jun 6, 2016 bis Nov 6, 2016

tn Die Ausstellung "Alles Kirchner! Das Museum als Wunderkammer" will ein visuell anspruchsvoll inszeniertes Panorama der weltweit umfangreichsten und einzigartigen Kirchner-Sammlung bieten. Dabei wird auf das Prinzip der Petersburger Hängung (Salonhängung) zurückgegriffen, die die Wandfläche maximal ausnutzt und Werke systematisch von klein nach gross anordnet.

Eine neutrale Hängung gibt es nicht. Die Geschichte der Anordnung von Bildern im Ausstellungsraum ist schillernd. Sie dokumentiert den Wandel von Kunstauffassungen und Bildverständnissen genauso wie politische und ökonomische Motive von Sammlern, Galeristen und Kuratoren. In den 1920er Jahren taucht erstmals das Ausstellungskonzept der nüchtern weissen Wand auf, das sich in der Folge als prägendes Erscheinungsbild der meisten Museen durchsetzen sollte.

In den 1940er und 1950er Jahren hat sich nahezu jedes Museum in einen White Cube verwandelt. In der weissen Zelle erscheint die Kunst als rein selbstreflexives, ort- und zeitunabhängiges System, ohne Verbindung zu einer ausserhalb ihrer selbst liegenden politischen oder sozialen Realität. Das ambivalente Potential des weissen Museumsraums, jedes Objekt auratisch aufzuladen und gleich einer Luxusware zu fetischisieren, wurde ab den 1960er Jahren seinerseits zu einem Thema der Kunst und einer Kritik der Institution Museum.

Die Präsentation im Kirchner Museum Davos versteht sich als kritische Reflexion der Wahrnehmungsgewohnheiten von Kunst. Sie beschränkt sich nicht auf die klassischen Werkgruppen Malerei, Druckgrafik, Zeichnung, Fotografie und Skulptur, sondern zeigt auch eine Auswahl von Kirchner-Reliquien aus der Sammlung des Museums. Dazu gehören beispielsweise Kirchner Druckstöcke, Kirchners Tagebuch, Kirchners Bogen, Kirchners Postkarten, Kirchners Fingerabdruck, Kirchners Aschenbecher, Kirchners Signaturen, Kirchners Absinthe-Flasche, Kirchners Morphium-Ampullen, Kirchners Pistole, Kirchners Krankenbericht, Kirchners Rechnungen, Kirchners Steuerauszüge, aber auch Rudolf Gaberels letztes Foto des aufgebahrten Künstlers und vieles mehr, was bislang noch nicht oder nur sehr selten das Licht der Ausstellungssäle erblickt hat.

Die Ausstellung fragt nach dem Wert des Originals und zeigt Dinge, die Kirchner berührt und geschaffen hat. Sie spannt den Bogen von Berührungsreliquien bis hin zu letzten Dingen wie der Pistole, mit der Kirchner sich erschossen hat, und beschäftigt sich mit der Aura von Artefakten, Fundstücken, Gegenständen und Dokumenten, die mit der Künstlerpersönlichkeit in Beziehung stehen. Die Ausstellung untersucht ferner "Wer war Louis de Marsalle?" und stellt damit die Frage nach Kirchners Alter Ego, das immerhin 13 Jahre lang die Zeitgenossen beschäftigte und ein sehr originelles Marketing in Sachen Kirchner betrieb.


Alles Kirchner! Das Museum als Wunderkammer
6. Juni bis 6. November 2016

Ernst Ludwig Kirchner: Lehrer Florian Bätschi mit Schulkindern, 1936
Ernst Ludwig Kirchner: Café am Morgen, 1935
Blick in das Kirchner Museum Davos