21er Haus

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weitere Ausstellungen

Franz West – Art Club

Dez 14, 2016 bis Apr 23, 2017

tn Ab Dezember präsentiert das 21er Haus mit der Ausstellung "Franz West – Art Club" zentrale Arbeiten des bedeutenden österreichischen Künstlers Franz West (1947–2012), die in Kooperation mit anderen Größen der zeitgenössischen Kunst, darunter Marina Faust, Douglas Gordon, Michelangelo Pistoletto, Rudolf Polanszky, Anselm Reyle und Heimo Zobernig, entstanden sind. Die Ausstellung reflektiert Wests Auffassung von Kunst als partizipatorischem Akt, sein Konzept der Einbindung unterschiedlicher künstlerischer Positionen in kollaborative Prozesse sowie seinen damit in Zusammenhang stehenden Begriff der Autorschaft.

1947 in Wien geboren, kam West bereits als Jugendlicher in Berührung mit dem Kunstfeld, neben Galerien- und Museenbesuchen, die ihm Einblicke in internationale Kunstbewegungen ermöglichten, erlebte er in seinem unmittelbaren Umfeld Manifestationen der Wiener Aktionisten. Angeregt durch Kontakte zur Literaten- und Intellektuellenszene Wiens begann West früh mit der intensiven Lektüre und Reflexion philosophischer Schriften. Die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen philosophischen Thesen – wobei der Bedeutungstheorie von Ludwig Wittgenstein eine besondere Rolle zuteilwerden sollte – wirkte zeitlebens entscheidend auf Wests künstlerisches Schaffen. 1970 begann West spontan und autodidaktisch mit seiner eigenen Kunstproduktion, nach kleinformatigen Papierarbeiten entstanden ab Mitte der 1970er-Jahre erste Passstücke, welche auf dem für West von nun an grundlegenden Prinzip der Partizipation aufbauten.

Die tragbaren, haptisch erlebbaren Gebilde, die als temporäre plastische Erweiterungen des menschlichen Körpers fungieren und den Rezipienten zum integralen Element des Kunstwerks erheben, zählen zu den einflussreichsten Arbeiten Wests. Auch die berühmten Sitzmöbel sowie die großformatigen Außenskulpturen Wests basieren auf dem Grundsatz der Partizipation. West hinterfragte radikal das Verhältnis von Künstler, künstlerischer Arbeit und Rezipient, sein Werkbegriff ist definiert durch variante Bedeutungs- und Beziehungsgefüge. Anders als bei einem gänzlich autonom gedachten Werk sollen keine endgültigen Antworten formuliert werden. So offerieren Wests Skulpturen und Installationen stets die Möglichkeit für einen Dialog mit dem Rezipienten, sowohl auf physisch erlebbarer sowie, oftmals durch entsprechende Begleittexte initiiert, auf intellektueller Ebene.

Wests offener Werkbegriff, der im Unabgeschlossenen und Prekären der Passstücke seinen Anfang nimmt, findet konsequente Erweiterung in der Relativierung der Bedeutung der Autorschaft. Bereits nach den Erfahrungen des Wiener Aktionismus zeigte sich West zutiefst abgeneigt von einem heroischen Künstlerverständnis – "Ich finde diese Meisterfiguren und Idole ekelhaft". Ganz in diesem Sinne wirkt Wests Arbeit jeglichem Pathos um die eigene Person und das Artefakt konsequent entgegen. Durch Strategien wie Mitautorschaft, Kollaboration und Zitat sowie durch die Neukomposition von Werken aus diversen Schaffensphasen und die Einbeziehung von Arbeiten anderer Künstlerinnen und Künstler führte West ein subversives, oftmals auch humorvolles Spiel mit der Autorschaft sowie mit der Autonomie des Kunstwerks. Ziel der Ausstellung im 21er Haus ist, die unterschiedlichen Szenarien, in welchen West multiple Autorschaften zusammenführte, aufzuzeigen und zu untersuchen.

Die Ausstellung umfasst die in diesem Zusammenhang äußerst bedeutende Arbeit "Extroversion", die West für die Biennale di Venezia 2011 (jenes Jahr, in dem ihm der Goldene Löwe für sein Lebenswerk verliehen wurde) konzipierte. West stülpte für die Installation die Wände der Küche seines Ateliers quasi um, die darin enthaltenen 43 künstlerischen Arbeiten von Freunden, Künstlerkollegen und Mitarbeitern traten nach außen. Sie behielten ihre Autonomie, wurden aber zugleich Teile einer komplexen künstlerischen Entität. Neben dem charakteristischen Prozess der Verlagerung von Werk- und Autorbegriff öffnet Extroversion zudem ein neues spannendes Feld hinsichtlich Wests Erfahrung und Behandlung von Raum und Architektur. So bildet die Arbeit den Ausgangspunkt für einen zusätzlichen Fokus der Ausstellung, in dem anhand konkreter Konzepte Wests Raum- und Architekturauffassung verhandelt wird. Véronique Abpurg


Franz West – Art Club
14. Dezember 2016 bis 23. April 2017

Franz West: Extroversion; 54. Biennale di Venezia, 2011. Installation bestehend aus 43 Kunstwerken von Franz West und Assistenten, Kunstfreunden und Kollegen; © Verein Archiv Franz West, Foto: Stefan Altenburger
Franz West: Extroversion; 54. Biennale di Venezia, 2011. Installation bestehend aus 43 Kunstwerken von Franz West und Assistenten, Kunstfreunden und Kollegen; © Verein Archiv Franz West, Foto: Stefan Altenburger
Franz West/ Marina Faust: Talk without Words (Christopher Wool), 2012. © Marina Faust
Franz West/ Andreas Reiter Raabe: Fleur Mal, 2012. LED-Lampe, Papiermaché, Kartonrohre, Acrylfarbe, Metallkette; Foto: Axel Schneider, Frankfurt am Main. © Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main