Museum Villa Stuck

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Private Confessions. Die Zeichnung der Schmuckkünstler

Mär 10, 2017 bis Mai 7, 2017

tn Zum ersten Mal widmet sich eine "Schmuckausstellung" der Zeichnung und rückt damit ein vielschichtiges, bisher unterschätztes Thema ins Zentrum der Betrachtung. 36 zeitgenössische Schmuckkünstlerinnen und -künstler aus aller Welt präsentieren eine Auswahl von Zeichnungen, die begleitend zu ihren Objektarbeiten entstanden sind. Die Bandbreite erstreckt sich dabei von der Skizze, die sich an der konkreten Ausführung des Schmuckstückes orientiert, bis hin zur Zeichnung als selbständige künstlerische Manifestation.

Das Panorama der ausgestellten Werke reicht von der minimalistischen, bis zum Äußersten reduzierten Geste über schriftliche Bekenntnisse bis hin zu barock anmutender, narrativer Opulenz und der Verschmelzung mit der Schmuckskulptur. Neben ca. 400 Zeichnungen sind ausgewählte Schmuckstücke sowie Installationen und Skizzenbücher zu sehen. Die Ausstellung schlägt ein neues Kapitel auf für die Rezeption und Reflexion des zeitgenössischen Autorenschmucks, der, insbesondere in München, eine herausragende Bedeutung gewonnen hat und alljährlich Tausende von Besucherinnen und Besuchern in die Bayerische Landeshauptstadt lockt.

Die Zeichnung der Schmuckkünstler offenbart alle Wesenszüge der schöpferischen Produktion. Denn in ihr manifestiert sich der intime und dem Publikum oft unzugängliche Dialog mit dem kreativen Impuls. Die Zeichnung verrät die ganz persönliche Handschrift, bevor sie durch Materie und Formgebung verändert und sogar diszipliniert wird. Zugleich fordert jede zeichnerische Äußerung ihre Anerkennung als autonome Valenz, als künstlerischer Beitrag zum Prozess – als Entwurf, aber vor allem auch als gedankliche Erweiterung und ästhetische Notiz, vielfach sogar als unabhängiges Werk, das neben dem Schmuckstück Bestand hat. Die künstlerische Auseinandersetzung sucht ihre Wege und entfaltet sich ebenso in der spontanen Geste, im Niederwurf der "prima idea", wie in der finalen Gestalt.

Diesen Spuren folgen Ausstellung und Publikation, daher der Titel »Private Confessions«. Die internationalen Schmuckkünstlerinnen und -künstler, darunter die namhaften "Celebrities" des Metiers, lassen uns teilhaben an ihrer spontanen Eingebung, an den Etappen ihrer Arbeit, an Konflikt und Passion in ihrer Auseinandersetzung mit der Materie. Zahlreiche der Protagonistinnen und
Protagonisten sind in den verschiedensten Bereichen tätig, häufig auch als Maler oder Zeichner. Die Zeichnung, wie sie nun zum ersten Mal in der Ausstellung präsentiert wird, legt Zeugnis ab von Vorgängen und Entwicklungen, welche die künstlerischen Gattungen, die künstlerische Identität betreffen. Sie lässt sich als Symptom einer Öffnung der Perspektive interpretieren und begleitet nicht nur den Schmuckdiskurs, sondern erweist sich darüber hinaus vor allem als Gegenkraft und Gegengewicht zu allen funktionellen Beschränkungen und Verpflichtungen der Disziplin.

Die von der Kuratorin der Ausstellung ausgewählten Künstlerinnen und Künstler bieten mit ihren Arbeiten einen vielfältigen Blick auf die Möglichkeiten der Zeichnung als künstlerisches Medium – gerade im Bereich der Schmuckkunst. Renommierte Protagonisten wie Hermann Jünger (1928–2005) stehen internationalen Vertretern, wie der tschechischen Künstlerin Eva Eisler (geb. 1946), gegenüber. Mit Pedro Sequeira (geb. 1976) oder Despo Sophocleous (geb. 1977 ) sind jüngere Positionen ebenso berücksichtigt wie arrivierte, etwa Claus Bury (geb. 1946) oder Thomas Gentille (geb. 1936). Feine Bleistiftzeichnungen stehen gestischen Aquarellen gegenüber, flüchtig verfasste, kleinformatige Skizzen oder aufwendige Collagen belegen die Auseinandersetzung mit dem Medium sowie die prägnante Handschrift der Autorin oder des Autors. Gerade in der Zusammenschau bietet sich ein lebhafter Dialog, nicht nur zwischen Zeichnung und Objekt sondern auch zwischen den präsentierten künstlerischen Positionen, der durch eine eigens entwickelte Ausstellungsarchitektur unterstrichen wird.


Private Confessions. Die Zeichnung der Schmuckkünstler
10. März bis 7. Mai 2017

Giampaolo Babetto, Zeichnung, 2001. Chinatusche und Filzstift auf Papier; Foto: © Giustino Chemello
Claus Bury, Anhänger, 1969. Mehrschichtiges farbiges Acrylglas, Weißgold 760. Die Neue Sammlung; Foto: © A. Laurenzo
Annamaria Zanella, Zeichnung, 2012. Aquarell, Tusche; Foto: © Nikolaus Steglich
Doris Betz, Trio, 2011. Brosche, Silber, Lack; Foto: © Bernhard Roth