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Robert La Roche: Personal View

Mai 4, 2016 bis Sep 25, 2016

tn Mit klassischen und extravaganten Brillenkollektionen hat der österreichische Designer und Trendsetter Robert La Roche eine Weltmarke kosmopolitischer Prägung geschaffen. La Roche hat nicht nur den notwendigen Sehbehelf in ein gern getragenes Lieblingsstück verwandelt, das unverkennbare Understatement der "Lunettes Robert La Roche" eroberte auch die internationale Mode- und Filmwelt. Hollywood-Stars wie Arnold Schwarzenegger, Kevin Costner oder Meryl Streep zählten ebenso zu den prominenten La Roche-TrägerInnen wie die KünstlerInnen Yoko Ono und Andy Warhol.

Anlässlich der großzügigen Schenkung von rund 500 Objekten aus La Roches persönlichem Firmenarchiv widmet das MAK dem Designer die erste Personale im musealen Kontext und zeichnet seinen erfolgreichen Werdegang zum international gefeierten Brillen-Couturier nach. Die Ausstellung gibt einen Überblick über La Roches einzigartiges OEuvre und seinen unkonventionellen Lebensweg vom Werbefachmann zum autodidaktischen Brillende-signer, der mit rund 1200 persönlich entworfenen Modellen die internationalen Märkte eroberte. Viele seiner zwischen 1973 und 1999 kreierten Brillen zeichnen sich durch kräftige Farben und markante Designs aus, dennoch steht La Roche insbesondere für zeitlose "Klassiker", die heute noch als Original-Vintage-Modelle gefragt sind.

Der enorme Erfolg des Designlabels erklärt sich nicht zuletzt aus der beispiellosen Marken-pflege, die auf einem Verständnis von Marketing und Design als gleichberechtigten produktformenden Komponenten beruht. Viele Kampagnen La Roches sind ähnlich legendär wie die Brillen selbst. Neben ausgewählten Brillen von Robert La Roche zeigt das MAK auch Entwurfszeichnungen, originales Foto- und Filmmaterial sowie Werbesujets aus dem persönlichen Archiv des Designers. Die biografische Ausstellung zeichnet anekdotisch die wichtigsten Stationen nach und gibt Einblicke in das Handwerk des Brillendesigns und die Gestaltung seiner Werbekampagnen. La Roche steht in der Tradition namhafter Brillenentwerfer wie Udo Proksch (alias Serge Kirchhofer) für Optyl und Cari Zalloni (Cazal) sowie Dora Demmel für Silhouette, die seit der Mitte des 20. Jahrhunderts den internationalen Ruf Österreichs für vorzügliches Brillendesign begründen.

Sein Lebenswerk hat der 1938 geborene Wiener mit hugenottischen Wurzeln quasi als Selfmademan mit einem kleinen Team geschaffen. Diese schlanke Struktur bot ihm gegenüber Branchenriesen einen entscheidenden Vorteil: Er konnte kurzfristiger als die Konkurrenz agieren, spontan seinem "seismografischen" Trendgespür folgen und Nischen besetzen. In Kontakt mit Brillen war La Roche in den frühen 1970er Jahren gekommen, als er nach beruflichen Auslandsaufenthalten für die vom österreichischen Brillenpionier Wilhelm Anger gegründete Firma Optyl zu arbeiten begann. Durch seine Tätigkeit für den Produzenten von Viennaline, Christian Dior, Porsche Design oder Carrera wurde ihm klar, wie wichtig es ist, eine auratische Marke zu kreieren, um aus einem Behelf zur optischen Fehlsichtkorrektur ein Statement-Accessoire zu machen.

Sein Entschluss, als Quereinsteiger selbst Brillen zu entwerfen, führte ihn zunächst in das Cadore-Tal in den italienischen Dolomiten, wo er das Brillenhandwerk und die Verarbeitung von Acetat, einem Kunststoff auf Basis von Baumwollflocken, erlernte. Er begann die traditionellen Manufakturmethoden – bis zu 200 Arbeitsschritte und Fräsvorgänge – auf seine handgefertigten Qualitätsprodukte zu übertragen. So gelang es ihm, sich nicht nur von den Optyl-Brillen im Vakuum-Spritzguss-Verfahren deutlich abzuheben, sondern auch international neue Maßstäbe zu setzen. Die spezielle farbliche Nuancierung wurde zu einem von La Roches Markenzeichen, ebenso wie eine bis dahin ungeahnte Feinheit der Gestelle, die er bis an die Grenzen der technischen Machbarkeit auslotete.

Was als Ein-Mann-Unternehmen im achten Wiener Bezirk begonnen hatte, entwickelte sich binnen kurzer Zeit vom Insidertipp zu einem weltweit gefragten Label mit ausgewählten Vertriebsorten wie Venedig, Mailand, Paris, Amsterdam oder Hamburg. Die legendäre Nullnummer des "Wiener" über die österreichische Kreativ-Avantgarde des Jahres 1979 widmete sich nicht nur dem bis dahin kaum bekannten Modedesigner Helmut Lang, sondern druckte auch ein mehrseitiges Interview mit Robert La Roche. Nach einem zweiten Büro in München konnte er sich 1985 mit einer eigenen Dependance in New York etablieren. Während dieser Zeit kam es auch zu aufsehenerregenden, doppelseitigen Anzeigen in namhaften Magazinen wie Details oder Andy Warhols Interview.

Für die gelungene Inszenierung seiner Marke holte La Roche hochkarätige Unterstützung aus der österreichischen Werbeszene mit an Bord. Creative Director Christian Satek, ehemals langjährige Frontfigur der Werbeagentur GGK, und der Fotograf Gerhard Heller prägten die Corporate Identity La Roches mit. Andreas Berger, ebenfalls ehema-liger Mitstreiter der La Roche-Werbelinie, zeichnet auch für die Grafik der MAK-Ausstellung verantwortlich, die vom jungen Wiener Architekturstudio Okular gestaltet wird. Österreichische Starmodels wie Cordula Reyer oder Werner Schreyer liehen den vielfach im In- und Ausland ausgezeichneten Kampagnen ihr Gesicht.

Sein kreatives Potenzial nutzte La Roche während der aktiven Entwurfsphase bis zum Verkauf seiner Marke im Jahr 1999 nicht nur für eigene Kreationen, sondern auch für Kooperationen mit Escada, Beatrice Hympendahl oder Palmers sowie als Design-Berater für die ersten Brillenkollektionen von Calvin Klein, wie die Ausstellung verdeutlicht. Neben Helmut Lang und Hans Hollein zählt La Roche zu insgesamt nur drei Österreichern, die damit betraut wurden, Arbeiten für die Kunstsammlung des schwedischen Spirituosen-Herstellers Absolut zu gestalten.


Robert La Roche: Personal View
4. Mai bis 25. September 2016

Sonnenbrille, Modell S-58. Werbekampagne Damenkollektion, fotografiert von Gerhard Heller, um 1987; © Robert La Roche
Sonnenbrille, Modell S-4. Werbekampagne Damenkollektion, fotografiert von Brian Spence, um 1975; © Robert La Roche
Sonnenbrille, Modell S-156, fotografiert von Thomas Popinger, um 1997; © Robert La Roche
Sonderkollektion Ichi Ban, Modell 584, fotografiert von Thomas Popinger, um 1995; © Robert La Roche
Brillen-Helm Absolut Spectacle, 1998; © Werner Pawlok
Porträt Robert La Roche; © MAK/ Nathan Murrell