Staatliche Kunsthalle Karlsruhe

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Double Vision. Albrecht Dürer & William Kentridge

Sep 10, 2016 bis Jan 8, 2017

tn Albrecht Dürers "Rhinozeros" zählt zu den bekanntesten Werken des Künstlers. Der Holzschnitt entstand nicht nach einem lebenden Modell. Als Vorlage diente vielmehr eine Skizze und Beschreibung des Tieres, die der Künstler nach der Ankunft des in Indien beheimateten Tieres in Lissabon erhalten hatte. Das Motiv des Rhinozeros' beschäftigt fast 500 Jahre später auch den aus Johannesburg stammenden Künstler William Kentridge. In seiner Heimat Südafrika leben heute weltweit die meisten Nashörner, auch wenn der Bestand der Tiere als Spätfolge der Kolonialisierung gefährdet ist. Kentridge bezieht sich in seinen Darstellungen explizit auf Dürer, löst jedoch die ikonische Präsenz des wehrhaften Tieres durch die Einführung von Bewegungselementen auf.

Mit Albrecht Dürer (1471–1529) und William Kentridge (geb. 1955) begegnen sich in einer Ausstellung zwei Künstler, die jenseits aller epochalen und kulturellen Unterschiede im Medium der Druckgrafik verbunden sind, das sie in vielfältiger Weise nutzen. Doch treffen sich der Meister der deutschen Renaissance und der global tätige Gegenwartskünstler mit südafrikanischen Wurzeln nicht allein durch die Wiederkehr von Motiven oder ihre Vorliebe für das Schwarz-Weiß, vielmehr vereint sie eine intensive Beschäftigung mit dem Prozess der Wahrnehmung.

Zu den wegweisenden Publikationen Albrecht Dürers gehörte seine 1525 veröffentlichte "Underweysung der Messung", in der er sich eingehend Fragen der Proportion und Perspektive widmet und die nur wenige Jahre später in einer überarbeiteten Neuauflage erschien. William Kentridge arbeitet in seinen Zeichnungen, Grafiken und Filmen vielfach mit optischen Geräten wie Guckkästen, Stereoskopen oder auch Anamorphosen. Ausgehend von dieser künstlerischen Beschäftigung mit dem Sehen wird zugleich das Ausstellen – die Art und Weise der musealen Präsentation der Werke und ihre sinnliche Erfahrung durch den Betrachter – zum Thema der Ausstellung.

Die etwa 110 ausgestellten Werke von Dürer und Kentridge sind in sieben Themenbereiche gegliedert, in denen inhaltliche, ästhetische und technisch mediale Gemeinsamkeiten und Unterschiede deutlich werden. Die unterschiedlichen Ausdrucksqualitäten der jeweils gewählten Techniken wird im Vergleich von Holz- und Linolschnitt, Lithographie und Radierung sichtbar.

Ausgehend von William Kentridges kritischem Rückblick auf die Moderne, deren Selbstverständnis als rationale und zivilisierte Epoche er in Frage stellt, verändert sich der Blick auf die Kunst Albrecht Dürers, dessen Werke die tiefgreifenden politischen, religiösen, gesellschaftlichen und medialen Umbrüche zu Beginn der Neuzeit reflektieren. Die materielle Grundlage der Ausstellung bildet der umfangreiche Bestand an Druckgrafik von Albrecht Dürer im Kupferstichkabinett der Kunsthalle, der um zahlreiche Werke aus dem Besitz von William Kentridge und von weiteren Leihgebern ergänzt wird.


Double Vision. Albrecht Dürer & William Kentridge
10. September 2016 bis 8. Januar 2017

Albrecht Dürer: Das Rhinozeros, 1515; © bpk / Staatliche Kunsthalle Karlsruhe
William Kentridge: Blatt aus: Ubu Tells the Truth, 1996/97; © William Kentridge
Albrecht Dürer: Der verlorene Sohn, um 1496; © bpk / Staatliche Kunsthalle Karlsruhe
William Kentridge: Three Shadows, 2003; © William Kentridge