MUMOK

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"Painting 2.0" im Wiener Mumok

Jun 4, 2016 bis Nov 6, 2016

tn Die Ausstellung "Painting 2.0: Malerei im Informationszeitalter" stellt das ungebrochene Interesse an zeitgenössischer Malerei und die stete Expansion digitaler Technologien in einen überraschenden historischen Zusammenhang: Sie zeichnet nach, wie sich bereits seit dem Beginn des Informationszeitalters in den 1960er-Jahren die fortschrittlichsten Ansätze der Malerei in produktiver Reibung mit der Massenkultur und ihren medialen Bedingungen entwickeln. Vom Aufkommen des Fernsehens bis zur sogenannten Internetrevolution ist es der Malerei stets gelungen, jene Mechanismen zu integrieren, die ihren Tod zu bedeuten schienen.

Mit rund 230 Kunstwerken von mehr als 100 Künstler_innen erzählt "Painting 2.0" diese facettenreiche Geschichte der Malerei von den 1960er-Jahren bis in die Gegenwart. Die Malerei erweist sich dabei als eine Praxis, die – entgegen kanonischer Erzählungen – vor einer sich zunehmend mediatisierenden Lebenswelt nicht zurückschreckt, sondern die neuen Herausforderungen vielmehr verhandelt. Eine treibende Kraft dieser Entwicklung ist die Kollision der visuellen Codes des Spektakels mit den Spuren malerischer Expressivität.

"Painting 2.0" zeigt auf, dass die expressive Geste immer wieder mit dem Begehren verknüpft war, die virtuelle Welt des Informationszeitalters an den menschlichen Körper rückzubinden. In der avancierten Malerei der letzten 50 Jahre sind die vermeintlichen Oppositionen von Humanem und Technischem, von Analogem und Digitalem aufs Engste miteinander verquickt.

"Painting 2.0" schlägt drei unterschiedliche Genealogien vor, die diese Verschränkung sichtbar machen. Das Kapitel "Geste und Spektakel" widmet sich der Frage, wie malerische Gestik eingesetzt wurde, um einer Spektakelkultur zu begegnen: von einer Protesthaltung kommerziellen Bildern und ihren Medien gegenüber, wie sie sich in den Schießbildern von Niki de Saint Phalle oder den abgerissenen Plakatwänden der Affichisten Mimmo Rotella, Jacques Villeglé und Raymond Hains zeigt, bis hin zu malerischen Strategien, die sich die Logik des Spektakels aneignen, wie Keith Harings "subway drawings", Albert Oehlens "Computerbilder" oder Monika Baers "Abstraktionen mit Banknoten und Münzen".

Das "Exzentrische Figuration" betitelte Ausstellungskapitel beschäftigt sich mit der Frage, wie sich Vorstellungen von Körperlichkeit unter dem Einfluss einer kommerziellen Massenkultur und neuer Technologien verändern. Von den prothetischen Körpern in der Malerei Maria Lassnigs über die anti-heroische Geste der Bilder von Mary Heilmann über die maßlosen Bildkörper Elizabeth Murrays bis hin zu den humorvollen Körperabstraktionen von Amy Sillman haben Künstler_innen den Körper immer wieder als zentrales Erkenntnisinstrument thematisiert, das gesellschaftlichen und technologischen Wandel auf vielfältige Weise registriert.

Das Kapitel "Soziale Netzwerke" schließlich versammelt malerische Positionen, die eine "Netzwerkgesellschaft" als solche ausweisen, sowohl durch Praktiken der Bildzirkulation wie durch die Thematisierung spezifischer sozialer Kontexte. Andy Warhols Factory, die Gemälde und Aktionen des Kapitalistischen Realismus von Sigmar Polke, Gerhard Richter, Konrad Lueg und Manfred Kuttner, die Künstlerinnen der feministischen New Yorker A.I.R. Gallery, aber auch zeitgenössische Positionen des sogenannten Network Painting wie zum Beispiel Seth Price oder R.H. Quaytman demonstrieren, wie sich Vorstellungen von Gemeinschaft und sozialem Austausch seit den 1960er-Jahren gewandelt haben.


Painting 2.0: Malerei im Informationszeitalter
4. Juni bis 6. November 2016

Jörg Immendorf: Wo stehst Du mit Deiner Kunst, Kollege?, 1973. Acryl auf Leinwand, 2 Teile, 132 x 210,2 cm; Musée d’art moderne de la Ville de Paris. © Nachlass Jörg Immendorf, courtesy Galerie Michael Werner Märkisch Wilmersodrf, Köln und New Yor
Philip Guston: Head,1977. Öl auf Leinwand, 176,8 x 215,9 cm; The Museum of Modern Art, New York, Musa Guston Bequest, 1982. Photo: Digital image, The Museum of Modern Art, New York/ Scala, Florenz; © Estate of Philip Guston
Jana Euler: Where the energy comes from, 2014. Öl auf Leinwand, 210 x 210 cm. Photo: Stefan Altenburger, Photography Zürich Ringier Collection, Switzerland. Courtesy: The artist and dépendance, Brussels
Monika Baer: Straße, 2007. Öl auf Leinwand, 90 x 60 cm; Sammlung Gaby und Wilhelm Schürmann, Herzogenrath, Berlin. © Monika Baer, Galerie Barbara Weiss
Maria Lassnig: Harte und weiche Maschine / Kleine Sciencefiction,1988. Öl auf Leinwand, 126,5 x 201 cm; Photo: Universalmuseum Joanneum, N. Lackner. © Maria Lassnig Stiftung