MUMOK

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weitere Ausstellungen

Martin Beck. Rumors and murmurs

Mai 6, 2017 bis Sep 3, 2017

tn Ab 6. Mai 2017 zeigt das mumok eine umfassende Personale des in New York und Wien lebenden Künstlers Martin Beck. Neben ausgewählten Werken der letzten zehn Jahre, die sich mit Fragen des Displays, also der Zeigestrategien, der Erinnerung, Kollektivität sowie mit den Themen Bildgebung und Bildfindung beschäftigen, beinhaltet die Schau mehrere neue, eigens für diesen Anlass produzierte Arbeiten. Da Installations- und Displaystrategien eine wesentliche Rolle für Martin Becks künstlerisches Schaffen spielen, zeichnet er selbst maßgeblich für die Gestaltung der Ausstellung verantwortlich. Präsentiert werden Skulpturen, Fotografien, Videoarbeiten, Zeichnungen, Bücher wie auch räumliche Interventionen in den Ausstellungsort.

Ein wesentlicher Werkkomplex von Martin Beck, der zugleich die frühesten in der Ausstellung vertretenen Werke umfasst, bezieht sich auf moderne Ausstellungssysteme und deren Verhältnis zu Fragen von Ermächtigung und Kontrolle. Seine Videoinstallation "About the Relative Size of Things in the Universe" (2007), für die er ein vom Designer George Nelson entwickeltes Präsentationssystem aus den 1940er-Jahren rekonstruierte, reflektiert die paradoxe Rolle modularer Systeme in der Geschichte des Ausstellens. Nelsons Struc-Tube-Ausstellungssystem entspricht einerseits der avantgardistischen Forderung nach leichter Handhabung und weitreichender Informationsvermittlung, verdeutlicht andererseits aber auch die Reorganisation von Arbeit im modernen Kapitalismus.

Ein weiteres zentrales Werk Becks, das sich mit Fragen der Geschichtlichkeit und des Displays auseinandersetzt, ist "rumors and murmurs (Polygon)" (2012). Dieses geradezu malerische Stoffelement bedeckt eine ganze Ausstellungswand und ist zugleich ein autonomes Kunstwerk, eine architektonische Intervention und ein funktionales Objekt. Die Arbeit besteht aus einem subtilen Muster aus vernähten polygonalen Einheiten, die einer „anarchischen“ Geometrie folgen. Propagiert wurde diese "anarchische" Form der Ordnung und Anordnung in dem Bauhandbuch "Dome Cookbook" (1968), einem Standardwerk der US-amerikanischen Gegenkultur. Die Suche nach alternativen Lebensstrukturen in den 1960er-Jahren wird in "rumors and murmurs (Polygon)" mit den Erfahrungs- und Gestaltungsmöglichkeiten in einem Ausstellungsraum verschränkt.

In Martin Becks Arbeiten, die sich von Anfang an durch konzeptuelle Strenge und Sparsamkeit der Mittel ausgezeichnet haben, spielen in jüngerer Zeit Körperlichkeit und Emotionalität eine immer gewichtigere Rolle. Im Mittelpunkt seines Projekts "Last Night" (ab 2013) steht die letzte Nacht der legendären Dance-Party "The Loft" in der New Yorker Prince Street von 1984. Den ersten Teil von "Last Night" bildet ein Buch, das detaillierte Angaben zur Musik während der 13-stündigen Party liefert. "Last Night" überlagert Struktur mit Leidenschaft (und umgekehrt) und verweist auf einen zeitlich und räumlich ephemeren Ort der Gemeinschaft und Emotion. Einen weiteren Teil dieses Werkkomplexes bildet ein über dreizehn Stunden langer gleichnamiger Film, der in unterschiedlichen Einstellungen wiedergibt, wie die im bei der Party gespielten Schallplatten in einem privaten Setting auf einem Plattenspieler aus der Zeit abgespielt werden.

"Last Night" verweist auf kollektive emotionale Erinnerung, gleichzeitig auch auf die Verbindungspunkte und Paradoxien, mit denen sich Becks künstlerische Arbeit beschäftigt: Punkte, an denen Freiheitsversprechungen und Kontrollausübung, eskapistische Utopievorstellungen und die Ökonomisierung des Alltags, das Mögliche und das Unmögliche nicht nur nebeneinander existieren, sondern voneinander abhängig sind.

Zudem werden in "rumors and murmurs" Serien aus einer jüngeren Werkgruppe Becks namens "Flowers" (2015) gezeigt werden: Fotografien, die eine ältere Floristin dabei zeigen, wie sie einen eindrucksvollen Blumenstrauß zusammenstellt und auseinandernimmt. Für die ursprüngliche Präsentation dieser Arbeiten in New York kombinierte Beck die Fotografien aus "Flowers" mit "183 x 113" (2014), einer Skulptur aus rostfreiem Stahl, und "all that is left" (2015), einer Wandskulptur mit blauem Farbverlauf, sowie der Videoarbeit "Strategy Notebook" (2015). Gemeinsam bildeten diese verschiedenen Elemente eine Umgebung, die unternehmerische Atmosphärenbildung mit elegischer Vanitas konfrontierte. In der Ausstellung im mumok werden die Serien aus "Flowers" so installiert, dass sie einen Weg durch die Ausstellung markieren. An bestimmten Stellen werden ihnen dabei "183 x 113" und Strategy Notebook gegenübergestellt.


Rumors and murmurs
6. Mai bis 3. September 2017
Eröffnung: 5. Mai 17, 19 Uhr

Martin Beck: Antonio Canova, Amor and Psyche, plaster model, late 18th century; Gipsoteca Museo Canova, Passagno, Italy, 2017. © Martin Beck; Courtesy Martin Beck and 47 Canal
Martin Beck: Ashland, OR, 2013. Copyright Martin Beck; Courtesy Martin Beck and 47 Canal
Martin Beck: Detail von 'Flowers', 2015. © Martin Beck 2016
Martin Beck: Sleeping beauty, 2015. © Martin Beck 2016