MUMOK

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55 Dates. Highlights aus der Mumok Sammlung

Jul 12, 2018 bis Feb 3, 2019

tn Seit der Gründung der Mumok Sammlung im Jahre 1959 hat das Museum ungefähr 10 000 Werke von etwa 1 600 Künstlerinnen und Künstlern zusammengetragen. "55 Dates" lädt zur Begegnung mit 55 dieser Arbeiten, zu "Blind Dates" mit der Kunst. Ein erstes Aufeinandertreffen, ein visuelles Abtasten erfolgt beim Durchblättern der Publikation "55 Dates", die als Ausstellung im Hardcover verstanden werden will. Erst später findet das physische Erlebnis statt, die Begegnung von Betrachter_in und Objekt im Raum. So wird die herkömmliche Abfolge radikal verkehrt und nicht ein Katalog zur Begleitung einer Ausstellung entwickelt, sondern vielmehr eine Ausstellung aus einem Katalog.

"55 Dates" ist kein gewöhnlicher Sammlungskatalog, werden doch die Objekte von der Künstlerin Jakob Lena Knebl auf eine expressiv-sinnliche Weise in Szene gesetzt, welche die Lust am Sehen, am Entdecken sowie an der körperlichen Begegnung spielerisch transformiert. Die Werke werden aus ihrer kunsthistorischen Verankerung gelöst und nicht mehr als dokumentarische Beispiele einer Sammlungsgeschichte betrachtet, sondern als auratische Objekte mit je individueller Wirkkraft.

"55 Dates" ist aber auch eine Sammlungsausstellung, welche die Begegnung mit den Objekten von der Zweidimensionalität des Buches in den Ausstellungsraum überführt und das papierene Universum dreidimensionale Wirklichkeit werden lässt. Hier werden Kunstwerke präsentiert, die anstelle eines klassischen Blicks auf die Kunstgeschichte ein vielfältiges Nebeneinander von Denkweisen, Themen und künstlerischen Medien vorführen. Die Auswahl der gezeigten Werke spannt einen Bogen von Paul Klee, Giacomo Balla, Pablo Picasso bis hin zu Andy Warhol und vereint im Ausstellungsraum so unterschiedliche Positionen wie Anna Artaker, Cosima von Bonin, Günter Brus, Friedl Dicker, Valie Export, Marta Hoepffner, Ed Paschke u. v. m.

"55 Dates" präsentiert eine Mischung aus individuellen Vorlieben und Interessen, aus Bekanntem und weniger Bekanntem, zeigt Künstler_innen, die in die Kunstgeschichte eingegangen sind, sowie andere, die es noch zu entdecken gilt. Publikation und Ausstellung führen vor Augen, dass Kunstgeschichte keine objektive Erzählung ist, sondern durch ihre Protagonist_innen gelenkt und beeinflusst wird. Genauso wenig wie beide Medien die mumok Sammlung in ihrer Gesamtheit abbilden, entsprechen sie konventionellen Erwartungshaltungen an eine lexikalische Überblickssammlung zum 20. und 21. Jahrhundert.

Die Ausstellungsarchitektur wird vom österreichischen Künstler Hans Schabus gestaltet, in dessen direkt vor dem Eingang in die Ausstellung gelegenem Café Hansi – einer begehbaren Skulptur - Kunst und Kommunikation bereits seit einigen Monaten eine glückliche Verbindung eingehen. Das von Schabus entwickelte Display für "55 Dates" bildet hingegen ein offenes Raster, das die Idee der Begegnung aufgreift und als Vielfalt von Bezugspunkten wie ein Netz über die Ausstellung legt. 55 (und mehr) Arbeiten aus einer Vielzahl von Möglichkeiten verstricken die Besucher_innen in eine Auseinandersetzung mit moderner und zeitgenössischer Kunst.

Im Lauf der wechselhaften institutionellen Geschichte des Mumok hat sich dessen Ausrichtung im Laufe der Zeit immer wieder verschoben. Zu Beginn versuchte man – einer Herkulesaufgabe gleich –, mit einer Art Studiensammlung die Zeit von der klassischen Moderne bis zur Kunst nach dem Zweiten Weltkrieg zu belegen. 1979 erweiterten die Gründung der Österreichischen Ludwig-Stiftung und der Kauf der Sammlung Wolfgang Hahn das Mumok um performative und gesellschaftsrelevante Kunst der 1960er- und 1970er-Jahre. Seit der Jahrtausendwende ist das Museum zum Kompetenzzentrum des Wiener Aktionismus geworden und hat zudem Arbeiten von Künstlerinnen, vor allem in den Sammlungen der Gegenwartskunst, mit Ankäufen von Fotografie-, Video- und Filmarbeiten, Malerei, Skulptur und Rauminstallationen ihren berechtigten Platz gegeben.


55 Dates. Highlights aus der Mumok Sammlung
12. Juli 2018 bis 3. Februar 2019
Eröffnung: Mi 11. Juli 2018, 19 Uhr

Maria Lassnig: Pfingstselbstporträt, 1969. Öl auf Leinwand, 117 x 147 x 4 cm; Mumok Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien erworben 1985. Foto: Mumok; © Maria Lassnig Stiftung, 2018
Andy Warhol: Mick Jagger, 1975. Siebdruck, Acetat auf Papier, 110 x 73 cm; Mumok Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, Leihgabe der Österreichischen Ludwig-Stiftung seit 1981, Foto: Mumok. © The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc. / L
Ed Paschke: Jeanine, 1973. Öl auf Leinwand, 152 x 127 x 3 cm; Mumok Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, erworben 1974. Foto: Mumok; © Ed Paschke, 2018
Jean Tinguely: Méta-Harmonie, 1978. Dreiteilige Maschinenskulptur aus Eisen und Holz mit diversen Gegenständen und Fundstücken, 3 Elektromotoren, 290 x 600 x 150; Mumok Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, Leihgabe der Österreichischen Ludwig-S
Paul Klee: Vogelscheuche, 1935. Mischtechnik auf Leinwand, 71 x 56 cm; Mumok Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, erworben 1969. Foto: Mumok; © Mumok, 2018