Ludwig Museum im Deutschherrenhaus

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weitere Ausstellungen

Julian Schnabel. Palimpsest

Jun 19, 2016 bis Aug 14, 2016

tn Das Ludwig Museum widmet Julian Schnabels die erste umfassende Retrospektive seines graphischen Werks von 1983 bis heute in Deutschland. Das Publikum hat nun die Gelegenheit eine umfangreiche Sicht der Arbeiten Julian Schnabels im Medium der Graphik, die einen signifikanten Bestandteil seines OEuvres ausmacht und dennoch bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht ausreichend bekannt ist, zu bekommen.

Die Ausstellung beinhaltet neben älteren Werken auch jüngst entstandene Arbeiten dieses Jahres und zeigt Julian Schnabel als einen unermüdlichen Erfinder und Suchenden, der unentwegt überraschende Drucktechniken und Materialien ausprobiert. Hervorzuheben seien hierbei seine Radierungen, Kollagen und Lithographien, die zum Teil auf Samtstoff oder auf verschiedenen Weltkarten aufgedruckt wurden.

Geboren in Brooklyn in New York City 1951, wurde Julian Schnabel bekannt mit seiner ersten Einzelausstellung in der Mary Boone Gallery 1979. Er nahm an der Biennale in Venedig 1980 teil und war bereits Mitte der 1980er Jahre eine entscheidende Gestalt des Neo-Expressionismus. Als er seine Werke in einer Ausstellung zeigte, die gemeinsam von Boone und Leo Castelli 1981 organisiert wurde, hatte er sich bereits fest etabliert. Seine heute berühmten "plate paintings" — großformatige Gemälde auf zerbrochenen Keramikplatten — erhielten eine wilde und kritische Rezeption in der Kunstszene.

1981 war Sachnabel neben der jüngste Teilnehmer der Gruppenausstellung "A New Spirit in Painting" an der Royal Academy of Arts in London, die in der Kuratierung von Nicholas Serota, Christos M. Joachimides und Normal Rosenthal Werke von Pablo Picasso, Francis Bacon, Gerhard Richter, Georg Baselitz, Sigmar Polke und Markus Lüpertz zeigte. Sein Ruf, dreiste Aussagen zu seiner Bedeutung für die Kunst zu machen – "I’m the closest thing to Picasso that you'll see in this fucking life" – rief die Verachtung seiner Kollegen und der Öffentlichkeit hervor. Schnabel wird derzeit repräsentiert von The Pace Gallery in New York.

Julian Schnabel gilt als Multitalent, das nach einem Kunststudium und neben eigenen Kompositionen vor allem vielbeachtete Filme realisiert hat. Er ist einer der gefragtesten Künstler in den USA, zudem international bestens vertreten. In Deutschland ist er mit seinen Gemälden, die weitgehend dem Neo-Expressionismus zugerechnet werden, in einigen großen Sammlungen vertreten, u. a. in der Ludwig Sammlung. Seit den 1990er Jahren tritt Julian Schnabel auch als Regisseur von Kinofilmen hervor, die prominente Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts thematisieren, u. a. das Enfant terrible der New Yorker Kunst der 1980er Jahre, Jean-Michel Basquiat ("Basquiat", 1996), den kubanischen Schriftsteller und Dissidenten Reinaldo Arenas in "Before Night Falls" (2000) und Jean-Dominique Bauby, den einstigen Herausgeber der französischen Elle, mit "Schmetterling und Taucherglocke" (2007), für den Schnabel auf den 60. Filmfestspielen von Cannes mit dem Regiepreis ausgezeichnet wurde und 2008 für die beste Regie und den besten fremdsprachigen Film den Golden Globe Award erhielt.

Schnabels Schlüsselwerken liegt eine heftige Brutalität zugrunde, während sie zugleich von der kompositorischen Energie erfüllt sind. Schnabel nimmt für sich selbst in Anspruch, dass er auf einen emotionalen Zustand abzielt, in den Menschen wörtlich hineingehen und von ihm umfangen sein können. Eine sehr poetische und bezaubernde Variante davon stellt seine vierteilige Graphikmappe "Childhood" dar, die in diesem Jahr anlässlich des 240. Jahrestages der Unabhängigkeit Amerikas entstand. Die in den Grafiken abgebildete Schlachtszene, die der berühmten American Revolution Wallpaper aus dem Weißen Haus entnommen ist, zeigt den harterkämpften Sieg der amerikanischen Kontinentalarmee bei Yorktown und stellt damit eine Hommage an die Geburtsstunde der USA dar.

Parallel zu seiner eigenen Ausstellung im Ludwig Museum ist es Julian Schnabel ein Anliegen, eine weitere kleinere Präsentation junger Künstler, die er unterstützt zu zeigen. Zusätzlich wird mit "Julian’s Choice" eine konzentrierte Auswahl an jungen Künstlern vorgestellt, die Julian Schnabel selbst sammelt und fordert. So erweitert sich der Blick auf das Denken und Schaffen von J. Schnabel um eine weitere Facette.


Julian Schnabel. Palimpsest
Printed Works, 1983-2016
19. Juni bis 14. August 2016

Walt Whitman II ( Lake ), 2016. Pigmentdruck auf Kupferdruckpapier, 245.1 x 184.9 cm / 129.8 x 97.8 cm; © Julian Schnabel Studio
Walt Whitman III (Waterfall ), 2016. Pigmentdruck auf Kupferdruckpapier, 245.1 x 184.9 cm, 129.8 x 97.8 cm; © Julian Schnabel Studio
Childhood I, 2016. Pigmentdruck auf Kupferdruckpapier; © Julian Schnabel Studio
Childhood II, 2016. Pigmentdruck auf Kupferdruckpapier; © Julian Schnabel Studio
Childhood III, 2016. Pigmentdruck auf Kupferdruckpapier; © Julian Schnabel Studio