Museum Folkwang Essen

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weitere Ausstellungen

Das rebellische Bild

Dez 9, 2016 bis Feb 19, 2017

tn In einer städteübergreifenden Kooperation realisieren im Dezember 2016 das Museum Folkwang, C/O Berlin, das Sprengel Museum Hannover ein gemeinsames Ausstellungsprojekt. Ausgehend von der Berliner "Werkstatt für Photographie" und der jungen Essener Szene entdeckt die Ausstellung ein wichtiges Kapitel der deutschen Geschichte für Fotografie neu – jenseits der Erfolgsgeschichte der Düsseldorfer Schule.

Arbeiterbezirk Kreuzberg, Ende der 1970er Jahre, äußerster Rand von West-Berlin – und doch lebendiges Zentrum eines einzigartigen transatlantischen Kulturaustausches. Mitten im Kalten Krieg startete die am Checkpoint Charlie gelegene, neu gegründete Werkstatt für Photographie eine künstlerische "Luftbrücke" in Richtung USA, ein demokratisches Experimentierfeld jenseits traditioneller Ausbildung und politisch-institutioneller Vorgaben.

Aus diesem freien Dialog zwischen anerkannten Fotografen und Amateuren, zwischen konzeptuellen Ansätzen und dokumentarischen Narrationen, zwischen technischer Vermittlung und inhaltlicher Kritik entstand eine spezielle künstlerische Haltung, die mit ihrem direkten Zugang zur Wirklichkeit für viele Fotografen über lange Zeit stilprägend wurde. Die Werkstatt für Photographie erlangte mit intensiver Vermittlungsarbeit durch Ausstellungen, Workshops, Vorträge, Bildbesprechungen, Diskussionen und spezialisierten Kursen allerhöchstes internationales Niveau.

1976 gründete der Berliner Fotograf Michael Schmidt die "Werkstatt für Photographie" an der Volkshochschule Berlin-Kreuzberg. Ihre programmatische Ausrichtung – mit dem Fokus auf inhaltliche Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Fotografie – war einzigartig und führte bereits früh zu einem tiefgehenden Verständnis des Mediums als eigenständige Kunstform. Als die Einrichtung 1986 geschlossen wurde, geriet sie mit der Zeit in Vergessenheit.

Anlässlich des 40jährigen Jubiläums der Werkstatt für Photographie präsentieren C/O Berlin, das Sprengel Museum Hannover und das Museum Folkwang, Essen, sowie ein gemeinsames Ausstellungsprojekt, das in drei Stationen erstmals die Geschichte, Einflüsse und Auswirkungen dieser Institution und ihrer Akteure beschreibt. Darüber hinaus skizzieren die drei Stationen die Situation eines Mediums im Aufbruch, welches – ermutigt durch das Selbstbewusstsein der amerikanischen Fotografie – auf die eigenständige künstlerische Autorenschaft setzt. Die Ausstellungen entwerfen somit ein lebendiges, multiperspektivisches Bild der Fotografie der 1970er und 1980er Jahre, das die Geschichte der westdeutschen Fotografie jener Zeit um ein weiteres Kapitel neben der Düsseldorfer Schule ergänzt.

Das Museum Folkwang entdeckt unter dem Titel "Das rebellische Bild" in der eigenen Folkwang-Geschichte die Widerspiegelung des allgemeinen Aufbruchs jener Jahre. Nach dem Tod des einflussreichen Fotolehrers Otto Steinert (1978) herrschte eine offene und produktive Situation der Verunsicherung. Nach und nach wurde Essen zu einem Brückenkopf für den Austausch mit Berlin und zum Kristallisationspunkt für die junge zeitgenössische Fotografie in der Bundesrepublik. Neben Michael Schmidt, der in seiner Zeit als Lehrbeauftragter an der GHS Essen provokante Akzente in der Lehre setzte, gehörte Ute Eskildsen als Foto-Kuratorin am Museum Folkwang seit 1979 zu den wichtigen Akteuren.

Die junge Essener Fotografie setzte sich mit Urbanität und Jugendkultur auseinander, sie entdeckte die Farbe als künstlerische Ausdrucksweise, stellte Fragen nach neuen Formen des Dokumentarischen, nach authentischen Bildern und Haltungen und stellte der objektivierenden Distanz der Düsseldorfer Schule einen forschenden, subjektiven Blick entgegen.


Das rebellische Bild
Situation 1980: Die Kreuzberger "Werkstatt für Photographie" und die junge Folkwang-Szene
9. Dezember 2016 bis 19. Februar 2017

Larry Fink: Peter Beard and friends, a. d. Serie: Black Tie, 1976. Silbergelatineabzug, 35,8 x 36,4 cm; © Larry Fink
Andreas Gursky: Düsseldorf, Terrasse, 1980. C-Print, 43,2 x 49,4 cm; © Andreas Gursky, VG Bild-Kunst, Bonn 2016. Courtesy of the artist + Sprüth Magers
Wilmar Koenig: Floating Chair, a.d. Serie: Die Wege, 1984. C-Print, 162 x 126,8 cm; Courtesy Berlinische Galerie, Berlin. © Wilmar Koenig
Christa Mayer: Ohne Titel, a. d. Serie: Portraits aus einer psychatrischen Langzeitstation, 1982-1982. Silbergelatineabzug, 28,3 x 28,1 cm; © Christa Mayer, VG Bild-Kunst, Bonn 2016